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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Hochachtung erwarb. Eine Reihe von Jahren gehörte er dem Vorstande der Pilsener Cultusgemeinde an, war langjähriges Mitglied des Ortsschulrathes, sowie Verwaltungsrath der Pilsener Waggonbau- und Maschinenfabrik-Actiengesellschaft. Das Leichenbegängnis, welches Sonntag den 16. März stattfand, war eine Trauerkundgebung von eminenter Bedeutung; Behörden, Advocaten, Bürgermeisteramt, Cultusvorstand, die gesammte Intelligenz der Stadt und viele Gäste von auswärts, ein unabsehbarer, nach tausenden zählender Zug von Leidtragenden gab dem Verblichenen das Geleite. _ *~* ™Wien7^D e r c n ristlich -sociale Antisemitismus), der in Wien eine herrschende Stellung einnimmt, richtet sich mit derselben Schärfe, wie gegen die Juden, auch gegen die P r o t e s t a n t e n. Prinz Alois Liechtenstein, der bekanntlich die widersinnige Behauptung des Abgeordneten Ernest Schneider flottweg bestätigte, Graf Andrassy habe einst ihm gegenüber den Glauben an jüdische Ritualmorde bekundet, richtete neuerdings in öffentlichen Versammlungen Schmähungen gegen die evangelisch en Gemeinden Steiermarks. Dies veranlasste sie zu einem Massenproteste gegen den fanatischen hochgestellten österreichischen Reichsrathsabgeordneten, der als Schüler des Canonicus Rohling sich nicht nur damit begnügt, die Juden zu verketzern, sondern das Lutherthum in ähnlicher Weise befehdet und auch dabei in der Auswahl der Waffen nicht gerade wählerisch ist. In dem Massenproteste wird gesagt: „Der Reichsrathsabgeordnete Prinz Liechtenstein hat kürzlich uner höhte Schmähungen gegen die evangelischen Gemeinden unseres Vaterlandes in öffentlicher Versammlung ausgestossen. Aufgefordert, seine lügenhaften Behauptungen als Ehrenmann entweder zu beweisen oder zu widerrufen, hat er bis heute geschwiegen; ebenso hat auch der steirische Abgeordnete Baron Morsey in der Reichsrathssitzung vom 25. November 1901 unsere geliebte evangelische Kirche, unser evangelisches Bekenntnis und die evangelische Geistlichkeit beschimpft. Beide Herren haben überdies die Glieder der evangelischen Kirche in Oesterreich als unpatriotisch zu denuncieren versucht. Inwieweit die genannten Herren diese Kampfesweise mit ihren persönlichen Ehrbegriffen zu vereinigen imstande sind, überlassen wir ihnen. Wir haben nicht über ihre Ehre zu wachen, wohl aber wollen wir die Wächter unserer Ehre sein. Und darum protestieren wir feierlich gegen diese masslosen Beschimpfungen." Wenn Prinz Liechtenstein die Juden angreift und hiebei dem Grafen Andrassy ein antisemitisches Brandmal aufdrückt, wird er freilich, ebenso wie Rohling, der „Lutherfeind" und „Talmud- Verfälscher", zuweilen selbst von eifrigen deutschen Protestanten als Autorität hingestellt. Duldsamer als Prinz Liechtenstein, ist der christlich-sociale Wiener Oberbürgermeister Dr. Lueger; er rief zwar kürzlich wieder in einer „Damenversammlung" unter dem i'ubelnden Beifalle der antisemitischen Amazonen, „wenn die Christen das Geld wieder dem christlichen Volke zuwenden, dann ist die sogenannte Judenfrage gelöst", veranlasste aber kurz darauf den Stadtrats, die Herstellug eines Ziergeländers auf der Wienflussmauer der Fabrik eines Juden zu übergeben, und handelt auch bei anderen ähnlichen Gelegenheiten nach denselben finanziell-toleranten Grundsätzen. Prag. (Ein Brief an den Prager Erzbischof.) Am Aschermittwoch fand in Brandeis an der Elbe das Leichenbegängnis der Frau Machar, der Mutter des hervorragendsten czechischen Dichters der Moderne J. S. Machar, statt, zu welchem auch Professor Dr. Masaryk aus Prag mit seiner Frau eintraf. Er stieg in Brandeis

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