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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. Seite 22

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 22 (sequence 22)
Language
German
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22 in einem Hotel ab, in welchem der „Katholische Gesellenverein des heiligen Josef" sein Y^ereinslocal hat Ais die Mitglieder dieses Vereines von der Anwesenheit Masaryks Kenntnis erlangt hatten, kamen sie abends zur Abreise desselben auf den Bahnhof. Als Professor M asaryk auf dem Bahnhofe erschien, wurde er mit Johlen und Rufen „Judenk n echt! Hülsner! Henkt ihn auf!" empfangen. Die Demonstration wurde von dem Brandeiser Kaplan geleitet. J. S. M achar veröffentlichte nun ein offenes Schreiben an den Prager Fürsterzbischof BaronSkrb ensky, in welchem es unter anderem heisst: „Professor M asaryk hat ähnliche Demonstrationen schon mitgemacht, wiederholt in politischen Versammlungen. Dass er aber beschimpft und mit Schmähungen bei einem Begräbnisse überhäuft wurde, als er kam, um einen Act christlicher Liebe zu vollbringen, das blieb den Christlich- Socialen vorbehalten, die in einem Vereine concentriert sind, der den Namen des Erziehers des Heilands führt. Ich weiss nicht, ob Eure Eminenz die Affaire Hülsner kennen. In Kürze : Ein Angehöriger des Volkes, aus dem unser Heiland, die Apostel und Jünger hervorgegangen,. wrurde wegen eines Mordes an einem christlichen Mädchen vor Gericht gestellt. Io Wort und Schrift wurde ihm und seinem Volke eine fürchterliche Anklage an den Kopf geworfen, die des Ritualmordes. Es war in erster Reihe der Mund des Clerus und die Presse der Christlich-Socialen, welche diese Drachensaat streuten, und gegen sie tratProfessorM asaryk auf. Nicht um Hülsner zu vertheidigen, sondern um die grässliche und in ihren Folgen unabsehbare Anklage des Ritualmordes abzuwehren. Dort, Herr Erzbischof, wo nach dem Geiste der Gesetze des Herrn ein katholischer Priester hätte stehen sollen, stand der Protestant Professor M asaryk. So wie um ihre Vorgänger, ist um Ihre Person eine Reihe von Canonici, Prälaten, Vicaren, Dechanten und Pfarrern gestellt, deren erste Pflicht es ist, ihren Oberhirten darüber zu informieren, in welcher Weise das- Christenthum in unserem Lande geübt wird, wie die Kirche ihre Mission bei uns erfüllt. Und die, Herr Erzbischof, diejenigen, welche sich um den Nachwuchs der katholischen Seelsorge in unserem Vaterlande zu bekümmern haben, klage ich an, die bezeichne ich als die Schuldtragenden an der unchristlicheu That vom Aschermittwoch in Brandeisr sie sind es, die den Katholicismus erschlagen und den Glauben ersticken, nicht nur an Rom, sondern an die Lehre Christi, als deren einzig berechtigte Ausleger sich jene hinstellen. Aus ihren Seminarien kommen Wölfe, unverträgliche, unverständige Hirten. Der, welcher für die Menschheit am Kreuze starb, hat in Wahrheit keine ärgeren Feinde!" Ob wohl die flammende Anklage des Dichters auf den Oberhirten der Prager Erzdiöcese Eindruck machen wird? Man darf begierig sein auf die Antwort, welche Fürsterzbischof Skrbensky dem nationalen Dichter hoffentlich nicht schuldig bleiben dürfte. Prag. (Hilfsverein f ü r die nothleidendejüdischeBevölkerung Galiziens.) Sonntag den 2. d. M. constituierte sich unter grosser Betheiligung im Adlersaale des Deutschen Studentenheims die Prager Ortsgruppe dieses Vereines Herr JUDr. Hammerschlag eröffnete die Sitzung und verlas die eingelaufenen Glückwunschtelegramme. Hierauf wurde Herr JUDr. Arnold Rosenbacher zum Vorsitzenden und Herr Richard Petschek zum Schriftführer der Versammlung gewählt. Herr Leopold Jerusalem erstattete den Bericht des vorbereitenden Comites, votierte dem Oberrabbiner Herrn Dr. Ehrenfeld Dank und Anerkennung für die Förderung der Action und schilderte die Zustände, welche die Hilfsaction für die nothleidenden galizischen Juden herbeiführten. In Galizien leben 800.000 Juden (11 bis 12% der Gesammtbevölkerung), hievon 70°/0 in Städten, 30°/0 auf dem Lande; 500.000 Juden sind brotlos und befinden sich in einem Zustande, von welchem man sich hier keinen Begriff machen könne. Starrend von

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