Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 mordes sein. Herr Dr. Eisenkolb glaubt zwar selbst nicht daran, aber es ist ihm recht, dass andere dies glauben. Wir haben auf Grund unserer Ermittlungen sofort bemerkt, dass alle Anzeichen für den freiwilligen Tod des Mädchens in den Fluten der Elbe sprechon. Diese Annahme hat sich nun thatsächlich bestätigt Vor drei Wochen wurde in Leitmeritz die Leiche einer Frauensperson an das Ufer der Elbe geschwemmt, die nicht sogleich agnosciert werden konnte. Man constatierte bloss, dass die Frauensperson sich in anderen Umständen befand. Am 4. März wurde aus Kleidungsstücken und den Ohrgehängen der Leiche durch die in ßilin wohnende Kreysova constatiert, dass die angeschwemmte Leiche jene ihrer Tochter Namens Marie Kreysova ist. Diese 1873 geborene und nach Werbitschan bei Lobositz zuständige Marie Kreysova ist eben jenes Dienstmädchen, das am 8. Jänner in Aussig verschwunden ist. Marie Kreysova hat sich vor ihrem Selbstmorde offenbar nach Leitmeritz, dem Wohnorte ihres Geliebten begeben. Dieser Geliebte, Herr Emil Zäruba, hat den Muth, uns durch seinen Anwalt folgende „Berichtigung" zu senden: „Es ist unwahr, dass die Marie Kresjsova richtig Krejzovä mit dem Herrn Emil Zäruba, Reisenden der Leitmeritzer Kerzenfabrik Vladyka, ein Verhältnis hatte, und dass sie von demselben geschwängert war. Unwahr ist, dass ihr der Herr Zäruba die Ehe versprochen hatte, und dass sie kurz vor ihrem Verschwinden erfahren hat, dass Zäruba seit drei Monaten verheiratet sei. Richtig ist dagegen, dass die Krejzovä bei Herrn Vladyka in Leitmeritz vor zwei Jahren als Köchin bedienstet war, dass dieselbe um Pfingsten 1900 diesen Posten aufgab und nach Aussig gieng. Seit dieser Zeit, daher beinahe zwei Jahre, sah sie der Herr Zäruba nur zweimal, als er geschäftlich in Aussig, war und wechselte mit ihr nur einige Worte; ausser diesem Wortwechsel kam der Herr Zäruba mit Krejzovä in gar keine Berührung. Herr Zäruba ist bis heute ledig, was der beste Beweis der Unwahrheit der gegen ihn vorgebrachten Schmähungen ist." Demgegenüber halten wir mit aller Bestimmtheit an der Behauptung fest, dass Emil Zäruba mit Marie Krejso va schon zu jener Zeit ein intimes Verhältnis hatte, als die Krejsova noch im Hause des Herrn Vladyka in Leitmeritz bedienstet war. Ob Herr Z ä r u b a schon verheiratet ist oder ob er aus sonst einem Grunde die Illusion des Mädchens, dass er es ehelichen werde, zerstörte, ist ein durchaus nebensächliches Detail. Correspondenzen. Wien. Freitag den 14. März starb in Pilsen unser Mitglied Herr Dr. Heinrich S t e i n s c h n e i d e r im 74. Lebensjahre. Obwohl ursprünglich für den Beruf eines Rabbiners bestimmt, wandte er sich später der Jurisprudenz zu, worauf er sich der Advocatie widmete und nach den Bestimmungen des Numerus clausus zum Advocaten von Neugedein ernannt wurde. Im Jahre 1867 erfolgte seine Versetzung nach Pilsen, wo er sich gar bald bei allen Schichten der Bevölkerung die grösste