Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 17 (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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17 sollen Optimisten sein in unserem Handeln. Jedes Gefühl hat nur soviel Wert, wie die Handlung, welche dieses Gefühl zuwege bringt. (Richtig!) In der „Deutschen Rundschau" stand vor einem Jahre eine hübsche Geschichte, die diesen Zusammenhang deutlich illustrierte-. Es war im Jahre 1861 in San Francisco, in der grossen Spielerzeit; man stand dem Kriegsschauplatze dort weiter wie in Europa. Nun kam eines Tages in dieses Lager von Goldgräbern eine Zeitung, die in beweglichen Worten schilderte, wie schlecht es den armen Verwundeten gehe, die am Schlachtfelde liegen, ohne Verband und ohne Nahrung, und die erst nach 2—3 Tagen von diesen Qualen, sei es durch Mildthätigkeit oder den Tod, erlöst werden. Tief ergriffen erzählt diese Schilderung ein Spieler dem anderen. Er schliesst: „Mir thun die Verwundeten doch wirklich leid." Ein anderer Spieler hat einen Teller genommen und 5o Dollars hineingelegt mit den Worten: „Wie viel thun Ihnen die Verwundeten leid?" Dieser Mann hat den Grundsatz der Ethik viel tiefer erfasst, als alle Professoren der Ethik. So lange die Juden in Oesterreich und Deutschland sich nicht die Frage vorgelegt haben: „Wie viel thun uns die Antisemiten leid?" solange unsere Gegner stets grössere Barmittel haben wie wir, so lange müssen wir uns sagen, dass es uns noch viel zu gut geht. Meine Damen und Herren! Sich wehren bringt Ehren! Wenn wir nach diesem Grundsatze handeln, werden wir unsere Pflicht erfüllt haben als Juden und österreichische Staatsbürger. Lassen Sie mich damit schliessen; ich habe genug gesprochen, und Sie werden gesehen haben, dass all das, was ich gesagt habe, nichts anderes war, als eine Umschreibung des Programmes der „Oesterreichisch-Israelitischen Union"! (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Mittheilungen der „Oesterr.-Israelit. Union". Wandervorträge. Ueber die schon im Märzhefte unserer Monatsschrift erwähnte Versammlung des Prager Centraivereines zur Pflege jüdischer Angelegenheiten, in welcher Secretär Fleischer einen Vortrag über die Bechtsschutz-Organisation der österreichischen Judenschaft hielt, liegt folgender ausführliche Bericht vor: Secretär F1 e i s c h e r legte den Entwicklungsgang, Zweck und Ziel des Rechtsschutzbureaus dar, das, aus stürmischen Zeitverhältnissen geboren, nun schon durch mehrere. Jahre wirksame Proben seiner heilbringenden Thätigkeit abgelegt hat. An interessanten Beispielen wurde vor Augen geführt, wie nothwendig sich in vielen Fällen ein rasches und zielbewusstes Eingreifen bei den höchsten staatlichen Behörden erwiesen, und wie. vereinzelte Fälle ausgenommen, auch wirklich Erfolge erzielt und Abhilfe geschaffen