Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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wurde. Eben weil die „ Union" n u r auf dem Boden des Rechtes fusst, das Heil lediglich in der ungescheuten Anwendung der vom Gesetze selbst allen Staatsbürgern an die Hand gegebenen Rechtsmittel sucht, aber auch dadurch, dass dieselbe nur wirklich Unschuldigen und bloss ihrer Confession wegen Bedrängten wirksame Unterstützung leiht, Unrecht aber bekämpft, auch wenn es von jüdischer Seite ausgeht, ist es ihr gelungen, sich eine achtungheischende Stellung zu erwerben und im concreten Falle auch Gerechtigkeit zu finden. Nicht minder glücklich war jedoch auch die Rechtsschutzthätigkeit in der Bekämpfung der verleumderischen Umtriebe der antisemitischen Hetzpresse, denen durch einfache aber consequente Anwendung der legalen Mittel ein wirksamer Riegel vorgeschoben wurde. DerVortragende kam sodann auf die auch von der „Union" unterstützte galizische Hilfsaction zu sprechen, die, abgesehen von der humanitären Tendenz, insoferne in das Gebiet der Schutzmassnahmen einschlägt, als durch zweckmässige Arbeitserschliessung in Galizien der der westeuropäischen Judenschafc wenig zuträgliche Zustrom derzeit noch minderwertiger und rückständiger Elemente hintangehalten wird. Redner besprach auch noch, unter Würdigung der hervorragenden Leistungen anderer Vereine, die Gründe, warum gerade der „Union" die führende Rolle in der Bekämpfung des Antisemitismus zufallen müsse, und forderte schliesslich in einem eindringlichen Appell zur Unterstützung der allen Glaubensgenossen Oesterreichs zugute kommenden Bestrebungen und zum Beitritt zur „Union" auf. Dem Vortrage folgte langwährender stürmischer Beifall, wie denn auch der Beitrittsaufforderung seitens der meisten Anwesenden sofortige Rechnung getragen wurde. Dem Vortrage, dem u. a. auch seitens der Cultusgemeinde- Repräsentanz der Präses Herr Dr. Arn. Rosenb acher, kaiserl. Rath Haurowit z, Schriftsteller S. Kohn, Bunzl-F edern und Doctor M. Fischer, ferner zahlreiche Vertreter der „B'nei Brith" mit dem Präsidenten Herrn Leopold Jerusalem, Herr Professor Dr. Kisch, sowie Delegierte der Prager jüdischen Vereine, Angehörige aller Berufsstände und viele Damen angewohnt hatten, folgte noch ein zwangloses Beisammensein der Vereinsmitglieder und Gäste. In Vertretung des verhinderten Obmannes Herrn kaiserl. Rath Falkowicz dankte dessen I. Stellvertreter Herr Dr. Ludwig Pick dem Herrn Vortragenden, begrüsste in einer die Eindrücke des Abends zusammenfassenden Rede vornehmster Diction zugleich die anwesenden Ehrengäste und brachte zum Schlüsse einen stürmisch acclamierten Toast auf die „Oesterreichisch- Israelitische Union" in Wien aus. Herr Professor Dr. Kisch erinnerte in seiner ausdrucksvollen Ansprache, auf seinen Beruf als Jugendbildner bezugnehmend, an die seelische Pein so vieler israelitischer Hochschüier, denen heute noch die Carriere ihres Glaubens willen verschlossen ist, und verweist auf dieses Feld, auf dem der „Union" noch reiche Arbeit winkt. Der Präsident der „B'nei Brith," Herr J er us alem, spricht für ein erspriessliches Zusammengehen aller gleichgesinnten Vereinigungen und gedenkt der eben eingeleiteten, unterstützungswerten Action zugunsten der nothleidenden Bevölkerung in Galizien. Der Vereinsgeschäftsleiter Herr Dr. Weltsch knüpft an die letzteren Ausführungen an, indem er darauf hinweist, dass durch die erwähnte Hilfsaction so manche noch im Banne des Dunkels schlummernde Geisteskraft, wie viele Beispiele zeigen, zum Heile der Gesammtheit entfesselt werden könnte, und hebt des Weiteren die zwar verschiedenen, aber doch auf ein gemeinsames Ziel hinsteuernden Ideale und positiven Leistungen der hier versammelten gemeinnützigen und humanitären „Unionen" hervor, als deren oberste für Prag die israelitische Cultusgemeinde-Repräsentanz anerkannt werden muss, und bringt dem Vertreter derselben, Herrn Bunzl-Federn, seinen Trinkspruch aus, worauf der Letzgenannte in herzlichen Worten dankend erwidert. Auf