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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 ausweise anführen darf, so haben wir die Censur »mittelgut«, die Wiener >schlecht«. (Zustimmung.) Wenn irgendwo internationale Zusammenkünfte sind, zum Beispiel für die Russen oder Rumänen, so kommt als Redner <ler Präsident der Versammlung, der die Verhältnisse klarlegt, als zweiter Redner ein Vertreter der österreichischen Judenschaft, der erklärt, wir Oesterreicher können nichts thun, wir sind so kolossal mit Anforderungen an den Geldbeutel für die inneren Zustände in Anspruch genommen, dass wir wirklich nichts thun können. Diese Erklärung ist nicht ganz richtig. Ich habe gefunden, dass man im Gegentheil in Oesterreich auch für diejenigen Angelegenheiten, welche Angelegenheiten des Innern sind, sich regelmässig an das Ausland wendet. Wenn man irgendwo in Oesterreich die gute Idee hatte, in einer Stadt eine Synagoge zu bauen, erhielt man im Auslande von dieser erfreulichen Thatsache regelmässig dadurch Kenntnis, dass man eine Zuschrift bekam, worin gebeten wurde, für dieses höchst gemeinnützige Werk ein Los zu kaufen. (Heiterkeit.) Als vor einigen Jahren eine Hilfsaction für die galizischen Juden nothwendig wurde, wandte man sich an das Ausland. Ich war vor einigen Jahren in Paris, als ein Herr dorthin kam mit Empfehlungen einer sehr angesehenen Wiener Persönlichkeit und dort vom Grossrabbiner 600 Pres, erbat, um seine Studien in Wien zu beendigen. Dies hat eine nicht sehr freundliche Kritik gefunden; die Leute sagten, das, was in Oesterreich immer da sei, wäre das Geld zur Abreise. (Lachen.) Frau Baronin Hirsch hatte in einer Bedingung, die sie an eine Schenkung für die Gemeinde Wien geknüpft hatte, sehr deutlich zum Ausdrucke gebracht, dass sie von der Opferwilligkeit der Wiener keine allzugrosse Meinung hatte, und eine gewisse Engherzigkeit trat darin hervor, dass man jahrelang in der jüdischen Cultusgemeinde mit einem Deficit zu kämpfen hatte. Wenn die Leute auf dem Standpunkte stehen, dass sie für eine politische Sache nichts geben, so war dies ein entschiedener Beweis, dass es an dem richtigen Pflichtgefühl bei manchen mangelt. Meine Damen und Herren! Es gibt sehr fromme Leute, welche die Vorschriften unserer Religion sehr genau erfüllen, und die nur gegen eine Vorschrift einen gewissen Aberglauben haben, nämlich gegen die Vorschrift, den Zehnten von ihrem Einkommenfürwohlthätige Zwecke zurückzugeben. (Beifall.) Und in ähnlicher Weise, wie diese Leute eine religiöse Pflicht haben, haben diejenigen Leute, die nicht auf dem Standpunkte des rein Religösen stehen, ebenfalls die Pflicht, für ihre armen Glaubensgenossen einzutreten. Wenn der Kutscher eines reichen Mannes einen armen Teufel überführt, so ist eine rechtliche Verpflichtung

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