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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-04-01 · 4 (4.1902) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
4 (4.1902)
Date
1902-04-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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14 nehm ist, was sie aber dulden muss, weil die politische Constellation für die Regierung nicht günstig ist. Wollen die Juden etwas anderes haben, so müssen sie sich eben politisch rühren. Man kann bei den Juden eine eigenthümliche Erfahrung machen; sie sind geneigt, alles Heil von der Regierung zu erwarten; auf der anderen Seite schreien sie aber, dass die Regierung parlamentarich sein müsse. Beides schliesst einander aus. Wenn man ein Parlament hat, so kann die Regierung das thun, was das Parlament will, und wenn wir eine Regierung haben, die uns nicht passt, so sollten wir dazu beitragen, Verhältnisse zu schaffen, die die Regierung zwingen, anders zu handeln. Auch hier muss man zu dem Schlüsse kommen, dass die Juden mehr zu thun haben, und mehr thun müssten, um ihre Rechte zu wahren und zu schützen. In der Regierung sitzen schliesslich auch nur Menschen, und schliesslich sagt sich ein Beamter: »Warum sollst du mir mehr leid thun, als ich mir selber?« Bei dieser Gelegenheit muss ich sagen, dass sich die Juden nicht in genügender Weisegerührthaben. Wenn Sie sich entsinnen, welch ungeheures Aufsehen der Fall Mortara gemacht hat, der im Kirchenstaate war, und wenn Sie es vergleichen mit der philosophischen Ruhe, mit der die österreichische Judenschaft den Fall Araten aufgenommen hat, so kann' man der Regierung eine gewisse .Indolenz nicht übelnehmen. (Beifall.) Die Regierung erhielt eine Art Vertrauens votum von den Juden; bei den Wahlen in Galizien haben sich, einflussreiche jüdische Männer für die Wahleines Ministers interessiert, der sich im Falle Araten nicht besonders richtig benommen hat. (Zustimmung.) Wenn die Juden lieber christliche Leute gewählt haben, als jüdische Abgeordnete, so sehe ich darin ein Erwachen des jüdischen Gefühls. Ich darf noch an einen anderen Fall erinnern: Als auf Wunsch der antisemitischen Partei ein jüdischer Abgeordneter beseitigt wurde, wäre es Pflicht gewesen aller Juden, alles zu thun, um die Wiederwahl dieses Abgeordneten zu erwirken (lebhafter Beifall), gleichgiltig, ob sie ihn für den geeigneten Candidaten gehalten hätten oder nicht. Die blosse Thateache, dass hier ein Mensch deshalb beseitigt wurde, weil er den Antisemiten unbequem war, hätte alle Juden an die Seite dieses jüdischen Abgeordneten führen sollen. Ich kann Ihnen weiters nicht verhehlen, dass die österreichischen Juden auch in einem anderen Punkte, nämlich i n Bezug auf Freigiebigkeit, zu wünschen übriglassen. Nächst Oesterreich hat Berlin in der internationalen Philanthropie keinen guten Namen, aber im Verhältnisse zu Oesterreich werden wir anders estimiert. Wenn ich einen Vergleich aus dem Schul-

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