Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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13 mus, dass Ihre Väter extrem im entgegengesetzten Sinne gewesen sind. — Wir, die wir so entre deux äges sind, wir stehen den Jungen und Alten gleich nahe, um die Alten zu verstehen und noch mit der Jugend zu empfinden, und wenn nun die Kinder anders sind als die Eltern und ihre eigenen Wege gehen, so müssen die Eltern verstehen, dass jede Zeit ihren eigenen Weg gehen muss, und wahrscheinlich haben die Grosseltern sie ebensowenig verstanden, wie sie ihre Kinder verstanden haben und sie haben ihre Schwärmerei für die schwarz-rothgoldenen Farben wahrscheinlich ebenso albern und kindisch gehalten, wie für die blau-gelben. Wenn ich in meinen Ausführungen hauptsächlich von dem eigenen Unrechte der Juden gesprochen habe und über solche Parteien, die den Juden näherstehen, aber gar nicht, zum Beispiel von den Antisemiten, so geschah dies absichtlich. Einmal, weil von deren Unrecht sehr oft gesprochen woirde, dann aber, weil ich es für richtig halte, unter verständigen Männern nicht von dem Unrechte der Feinde zu sprechen. Wir sind darauf ja auch ohne Einfluss. Wenn wir etwas besser machen wrollen, so fangen wir mit uns. an und mit jenen, die uns nahestehen. Und wenn wir schon Feinde haben sollen, meine Damen und Herren, so möchte ich, dass sie wirklich so aussehen. Man hat den Antisemitismus eine Sumpfpflanze genannt und hat geglaubt, ein besonders vernichtendes Urtheil zu fällen. Ja, wenn ich diese Phrase von der Sumpfpflanze auch acceptiere, wer ist schuld? Der Sumpf oder die Pflanze? Und ich glaube, dass dieses Bild uns dazu führen muss, statt gegen die Antisemiten zu schimpfen, uns auf den Gedanken zu bringen : was könnten wir thun, um dies zu bessern? Dieselben Erwägungen möchte ich machen, so weit es sich um die Haltung der Regierung handelt. Es ist richtig, dass die Regierung sowohl in Oesterreich, wie in Deutschland nicht immer gerade in der Wahrung unserer Rechte besonders eifrig gewesen ist. (Beifall.) Das ist natürlich, und ich halte es für weniger schlimm bei der Besetzung von Stellen und Aemtern. Es ist natürlich, dass diejenigen Classen, welche durch Geburt berufen sind, diese Stellen auszufüllen, sich jene Concurrenz vom Halse halten und zuerst an sich und ihre Verwandten denken. Ich bin überzeugt, dass der Sohn eines christlichen Handwerkers auch gewisse Schwierigkeiten hierbei zu überwinden haben würde. Weitaus schwieriger war es, wenn der jüdische Hausvater nicht vor Anfeindungen geschützt war. — Ich meine den Mädchenraub in Galizien, von denen der Fall i\raten das meiste Aufsehen gemacht und der viele Nachahmer gefunden hat. So bedauerlich ich diese Fälle finde, so bin ich weit entfernt, der Regierung alle Schuld beizumessen. In Oesterreich, wie in Deutschland geschieht so viel, was der Regierung nicht ange-