Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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8 lieh schon lange etwas auf der Zunge gehabt, aber die Rücksicht auf die Eltern der jungen Leute hat sie abgehalten, alles zu sagen. Es ist dies kein Standpunkt für ein politisches Blatt. Inzwischen aber war diese lächerlich-minimale Bastrafung wenige Tage darauf erfolgt. Was schrieb nun dieses Blatt? »Harte Strafe hat die jungen Leute getroffen, welche sich in einem Momente jugendlichen Leichtsinns vergessen haben, bitteres Unheil ist geschehen« etc. Sie kennen ja diesen Stil. (Heiterkeit.) Zum Schlüsse hiess es: „Die wahren Schuldigen sind die Eltern!« Also erst am n. Tage hat es gesagt, dass es mit Rücksicht auf die Eltern nichts erwähnte und dann sagte es, die wahren Schuldigen seien die Eltern. (Heiterkeit.) Nicht viel glücklicher als die liberale Presse hat die liberale Partei ihre Pflicht erfüllt, und da muss ich auf gewisse Einzelheiten eingehen, weil das erst den Kreis zeigt, innerhalb dessen sich die Juden zu bewegen haben. Die liberale Partei hat vor einigen Jahren erklärt, sie sei stets eine staatserhaltende Partei gewesen und sie habe stets die Staatsnothwrendigkeiten ihren nationalen Aspirationen vorgezogen. Dieses Lob, welches sie sich selbst ertheilte, kann ich nicht unterschreiben. Diese Partei hat Minister Taaffe gestürzt, weil er einen zu liberalen Wahlentwurf vorlegte und es war ihre Begründung dahingehend, dass bei diesem Wahlsystem die Deutschen ihre Mandate verloren hätten. Ist dies nicht die Wahlfrage vom nationalen Gesichtspunkte aus berücksichtigt und hat nicht die Partei hierbei weit weniger liberales Princip als nationale Aspirationen gehabt? Die . eine slovenische Gymnasialclasse in Cilli hat das Coalitions- Ministerium zu Falle gebracht, und ihr liberales Herz hat die Partei erst wieder entdeckt, als durch die Sprachenverordnungen die nationale Frage brennend wurde. Dies ist ganz natürlich. Auf dem Gebiete der liberalen Ideen hatte die liberale Partei keine Concurrenten, dagegen auf dem Gebie:e der nationalen Fragen gab es extreme Parteien, und Sie wissen, wenn jemand zwei Geschäftszweige hat und bei einem einen Concurrenten, so geht seine ganze Anstrengung dahin, wo diese Concurrenz ist, und der andere Geschäftszweig verkümmert. (Heiterkeit.) Es war entschieden eine Sünde, dass es die Liberalen nicht versucht haben, gleich der Socialdemokratie, in einer Partei alle Mitglieder verschiedener Nationalitäten und Confessionen zu vereinigen. In dieser Beziehung ebenfalls tadelnswert ist, um einen Vorfall aus neuester Zeit zu berühren, das vom deutschen Standpunkte aus ganz falsche Vorgehen der Innsbrucker Studenten gegen italienische Docenten. Es ist klar, dass die Italiener eine Nationalität bilden, welche mit den Deutschen und Liberalen