Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 4 (4.1902)
- Date
- 1902-04-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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unlieb wie ein ungetaufter ist, so können wir daran die Wirkung der nationalen und Abschwächung der religiösen Idee deutlich erkennen. Das eigentliche Gebiet der Phrase von der Assimilierung ist das nationale. Wenn wir die unheilvollen Folgen berücksichtigen, welche diese Phrase herbeigeführt hat, so muss man die Frage der Assimilierung als eine hochernste bezeichnen. Denkt man aber an die merkwürdigen Gedankensprünge, zu welcher die Wortführer gezwungen worden sind, um sie zu rechtfertigen, so muss man doch andererseits gestehen, dass die Komik dabei zu ihrem Rechte kam. Kurz, es gab jene Mischung von Gefährlichkeit und Lächerlichkeit, welche den richtigen Stoff für den Satiriker bildet. Die Frage des Staatsbürgerthums hat mit der Frage der Nationalität nichts zu thun. Das gilt selbst für Deutschland, das ein halbwegs national geschlossener Staat ist. Es ist richtig, dass dort augenblicklich ein den Polen nicht günstiger Wind weht, aber es gab eine Zeit, wo die polnischen Abgeordneten bei Hof ausserordentlich angesehen waren, und wenn inzwischen eine gewisse Aenderung eingetreten ist, so kennt doch unsere Verfassung keinen Unterschied zwischen Polen und Deutschland, und demjenigen, dem wegen seiner Zugehörigkeit zur polnischen Nation die Ehre zugefallen ist, gewählt zu werden, dem steht der Reichstag genau so offen, wie jemand mit einer stramm alldeutschen Gesinnung. War nun die Erkenntnis, dass es auf di*e Nationalität nicht ankomme, in Deutschland schwieriger zu gewinnen als in Oesterreich, so hätte man erwarten müssen, dass diese Erkenntnis in Oesterreich auf der Strasse hätte liegen müssen. Aber, meine Damen und Herren, das Natürliche ist nicht immer das Wirkliche, und so hat man den österreichischen Juden immer eingeredet, und sie haben es schliesslich geglaubt, dass es ihre Pflicht von Gottes- und rechtswegen als österreichische Staatsbürger ist, s;ch aurch stramm-alldeutsche Gesinnung hervorzuthun. Hat auch in dieser Beziehung eine Besserung begonnen, so scheint doch die Krankheit noch nicht ganz überwunden, die in Verbindung mit den Angriffen unserer Feinde das meiste dazu beigetragen hat, die Lage der Juden in Oesterreich und in der ganzen Welt zu verschlechtern. Meine Damen und Herren! Hier in Wien, wo Haydn, Mozart, Beethoven gewirkt haben, ist der letzte Ort, um dasjenige, was man dem Deutschthum Grosses verdankt, nicht wirklich mit Freuden anzuerkennen, aber was haben Haydn, Mozart und Beethoven, üherhaupt der deutsche Genius, mit der alldeutschen Partei zu thun? Und wenn wir uns dankbar erweisen wollen, sollen wir den Dank dadurch abstatten, dass wir als Schmeichler zu allen Dummheiten unsere Zustimmung geben,