Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 25 (sequence 25)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Im Jahre 1896 hat sich in den Vereinigten Staaten eine neue Arbeiterpartei gebildet, der mehr als 25 000 jüdische Arbeiter beigetreten sind. Ihr Programm ist socialistisch und verlangt vom Staate den Rückkauf aller dem Monopol unterworfenen Betriebe: der Eisenbahnen, Telegraphen usw., der Minen, Kohlengruben usw.14) Soloweitschik behauptet, dass viele jüdische Arbeiter zum Anarchismus hinneigen. Wir haben schon von dem Vorurtheil gesprochen, das den Juden eine unüberwindliche Abscheu vor landwirtschaftlichen Arbeiten zuschreibt, und wir haben einige Thatsachen angeführt, die gerade das Gegentheil beweisen. Wir sehliessen einige neue Beweise ans Amerika an. Jüdische Ackerbaucolonien wurden zur Zeit der grossen Auswanderung im Jahre 1881 in Süden (Cremieux, Bees Lechem) und im Norden (Painted Vood) des Staates Dakota, in Kansas (Montefiore, Lasker, Beer Cheva), in Arkansas und in Louisiana gegründet. Man muss noch hervorheben., dass sich unter den Auswanderern neben der armen Masse auch Gelehrte, Studenten den Universitäten und Lyceen befanden, die Russland verlassen hatten, um Landwirthe zu werden. Diese neuen unerfahrenen Ansiedler wurden ihrer gelingen Subsistenzmittel durch philanthropische Gesellschaften beraubt. In Louisiana wurden 90% vom gelben Fieber befallen. Von allen diesen interessanten Versuchen sind nur noch einige Colonien im Staate Xew-Jersey übrig geblieben. Erfolg gehabt, Dank der „Jewish Colonisation Association", die vom Baron Moritz Hirsch in den Jahren 1890 und 1891 gegründet wurde. Im Jahre 1899 zählten die Ansiedler 680'6 Seelen und 44 837 Hektar Land waren bearbeitet worden.15) Jeder Ansiedler erhält durchschnittlich 100 Hektar Land, vier Ochsen, vier Rinder, zwei Stuten usw. usw. Diese Vorschüsse werden auf 8000 Francs berechnet, und dieColonisten haben dieVerpflichtung, sie zurückzuzahlen, jedoch lediglich in Naturalien. Die Colonien befinden sich in drei grossen Centren in Moisesville (Provinz Santa-Fe), Mauricio (Provinz Buenos-Aires) und im Riobezirk. Meistens wird Getreide, bFlachs, Mais und Luzerne angebaut. Ebenso wird Viehzucht und Milchwirtschaft getrieben. „Am bemerkenswertesten ist", sagt Maurice Ravidat, „der Umstand, dass alle diese Leute sich so schnell an eine neue Cultur und an ein neues Land gewöhnt haben. Wenn auch einige Landwirte waren, so hatten doch viele niemals die Stadt verlassen, und doch ist auch bei diesen letzteren der Uebergang vom Stadtzum Landleben sehr segensreich für sie gewesen." In verschiedenen Ländern. Es gibt eine grosse Anzahl von jüdischen Arbeitern, die überall verstreut sind. Ohne auf die Einzelheiten einzugehen, wollen wir Belgien, Deutschland und Holland anführen. In der Diamanten-Industrie in Antwerpen werden unegfähr 600 bis 700 jüdische Arbeiter beschäftigt, aber abgesehen von dieser Branche ist die bedürftige jüdische Bevölkerung noch sehr gross. Was Deutschland anbetrifft, so stellt der Bericht des kaiserlichen Statistischen Amtes vom Jahre 1897 fest3 dass es im Jahre 1895 3371 jüdische Landwirte gab, von denen 1616 Besitzer, 76 Beamte und 1679 Arbeiter waren. In der Industrie gab es 23 598 Unternehmer, 5566 Beamte und 16 329 Arbeiter. Mit Handel waren 80 105 Unternehmer, 14 997 Angestellte und 38 349 Arbeiter beschäftigt. Ausserdem gab es noch 6371 jüdische Dienstboten. Es gibt in Deutschland, sagt Soloweitschik, einen grossen Bund, der in allen grösseren Städten Zweigvereine gegründet hat und der die Absicht verfolgt, nxglichst viel Juden zu veranlassen, sich dem Handwerk und der Landwirtschaft zu widmen. Jedes Jahr erlernen Tausende und Abertausende von jungen Leuten mit Hilfe dieses Bundes irgend ein Handwerk. In der Provinz Posen befinden sich