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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. Seite 23

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 23 (sequence 23)
Language
German
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23 ^eailleroi). r . . - \ i ] ' '_ ~' :■■ - 1 Das jüdische Weltproletariat. Von II e n r i D a g a n. (Fortsetzung.) In den Vereinigten Staaten. Wir haben weiter oben festgestellt, dass von 1881 bis 1899 ungefähr 550000 russische Juden in den Vereinigten Staaten angekommen sind. Im Jahre 1900 betrug die Zahl der russischen Einwanderer 30 000, während es im Jahre 1897 nur 20 000 und im Jahre 1898 nur 25 000 waren.9) Die rumänischen und galizischen Einwanderer aus den Jahren 1899 und 1900 stellen auch ein bedeutendes Contingent. Man schätzt die Zahl der jährlich in Amerika einwandernden Juden auf 50 000, darunter 40—45 0Ö0 Arbeiter. Wenn man das gelesen hat, was wir über die Lage der Juden in Kussland, Rumänien und Galizien gesagt haben, wird man über einen solchen gewaltigen Auszug (Exodus) nicht mehr erstaunt sein. Die Auswanderungen begannen im Jahre 1884. „Tausende und Abertausende verliessen ihr Vaterland, das sie vertrieb, und grosse Scharen von jüdischen Familien wandten sich nach den Hauptstädten Europas. Es waren herzzerreissnede Scenen, die man auf den kleinen russischen Stationen beobachten konnte. Da waren Mütter, die ihre Kinder, vielleicht zum letztenmale, umarmten; Gatten, die von ihren Frauen Abschied nahmen; Brüder, die sich, vielleicht für immer, Lebewohl sagten. Mehr als 150 000 Juden landeten im Jahre 1881 in Amerika. Diese Unglücklichen wurden, sobald sie ihr Heimatland verlassen hatten, auf schreckliche Weise misshandelt. In den Häfen, besonders in Hamburg und in Antwerpen, wurden sie auf jede Weise ausgebeutet. Auf den Schiffen wurden die Thiere besser behandelt, wie sie. Man brachte sie im tiefsten Zwischendeck unter und pferchte 400 Juden in Räume ein, in die man sonst nur 300 Christen placiert hatte. Halbtodt kamen diese Unglücklichen in New-York an, wo neue Leiden ihrer harrten. Xur mit Grausen erinnern sich die Auswanderer Castel Gardens, dieses ungeheuren Auswandererdepots, dieses Fegefeuers, durch das alle Ankommenden liindurch mussten, um das Recht zu erlangen, den Boden der Yankees betreten zu dürfen. Man behandelte sie schlechter, als die Thiere. Entweder schliefen sie selbst im Regen, auf dem Hofe, oder sie starben vor Hunger, oder man schlug auf sie ein und tödtete sie selbst, wenn sie zum äussersten getrieben, sich empörten."1*7") Diese armen Juden sind auf die grösseren Städte der Vereinigten Staaten, wie New-York, Boston, Chicago, Philadelphia, Baltimore usw. vertheilt. Da sie glücklich waren, wenn sie sich ihr Brot überhaupt verdienen konnten, so

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