Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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20 %x wiesen sind, auch im Disciplinarwege die entsprechenden Consequenzen zu ziehen. Antisemitische Wahlüigen. Die antisemitische Agitation braucht für die bevorstehenden Wahlen in den Wiener Gemeinderath und den niederösterreichischen Landtag dringend neue Ritualmord-Pikanterien. Da sich dieselben nicht leichterdings aus dem Boden stampfen lassen, haben sich die Wiener Christlich-Socialen an ihren lieben Freund Dr. B axa in Prag gewendet und diesen veranlasst, den armseligen Hilsner aus seiner Ruhe in der Pankrazer Strafanstalt aufzuscheuchen. Die „Radicalny listy* brachten vorige Woche die Sensationsnachricht, dass Hilsner sich dem Strafhaus-Director vorführen liess und ein neues Geständnis abgelegt habe. Das „Deutsehe Volksblatt" schrotete diese saftige Ente sofort nach allen Regeln der Kunst aus und wusste sofort die interessantesten Einzelheiten über den aufregenden Zwischenfall zu berichten. Zwei Tage später wurde der ganze Roman amtlich dementiert. Das angebliche Geständnis Hilsners, das die Herren Schneider und Vergani so dringend brauchen, ist eine Erfindung der „Radicalny listy". Hilsner hat nichts zu gestehen, sondern betheuert nach wie vor seine Unschuld. Demselben Zwecke der Wahlhetze diente ein Artikel im ,,Deutschen Volksblatt" vom 16. Februar, in welchem die alte Lüge von angeblichen Millionensammlungen für Hilsner, sensationell aufgeputzt, den geduldigen Lesern wieder aufgetischt wurde. Das „Deutsche Volksblatt" musste sich bequemen, folgende Berichtigung abzudrucken: „Es ist unwahr, dass die in unserem Circulare vom Mai 1899 erwähnte Corporation die „Alliance israelite universelle" gewesen ist. Es ist unwahr, dass der Verein „Oesterreichisch-Israelitische Union" für den „geständigen jüdischen Doppelmörder Hilsner" Vertheidiger bestellte. Wahr ist vielmehr, dass die „Oesterreichisch- Israelitische Union* für jenen Leopold Hilsner einen Vertheidiger bestellte, welcher der Theilnahme an einem angeblichen Ritualmorde beschuldigt wurde, damals erst in strafgerichtlicher Untersuchung stand und seine Unschuld betheuerte. Es ist unwahr, dass die „Oesterreichisch-Israelitische Union" angeblich nach dem Muster der Juden in Deutschland „eine Millionensammlung für einen geständigen jüdischen Mordbuben" aufzubringen gedachte. Es ist unwahr, dass das vom „Deutschen Volksblatt" am 4. Februar 1900 veröffentlichte und nun neuerdings abgedruckte „vertrauliche Circulär", aus welchem diese Behauptung abgeleitet wird, von der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" ausgieng. Wahr ist vielmehr, dass ein solcher Aufruf oder ein solches Circulär von der „Oesterreichisch-Israelitischen Union" niemals beschlossen, an niemanden versendet noch sonstwie zu Geldsammlungen benützt wurde, und dass das „Deutsche Volksblatt" schon am 5. Februar 1900 eine diesbezügliche