Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9756662-9602426-9602493--0341-9602511- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
18 Ii eher Weise gepflogen und ergab nicht den geringsten Anhaltspunkt für das Verschulden einer dritten Person an dem Verschwinden des Mädchens. 3. Es ist unwahr, das gegen 3C0 Personen wegen „Vergehens" nach § 30S die Untersuchung eingeleitet wurde. Der § 308 begründet nur eine Uebertretung, was der Advocat Dr. E i s e n k o 1 b wissen sollte, und es sind wegen dieser Uebertretung nur 20—30 Personen in Untersuchung gezogen worden. Antisemitische Roheiten in der Schule. Wir haben im Februarhefte eine Eingabe an den Unterrichtsminister veröffentlicht, in welcher wir die Einleitung der Disciplinar-Untersuchung gegen den Professor Dr. Johann S p i k a am Hernalser Staatsgymnasium wegen zahlreicher von demselben vor der Classe gethaner antisemitischer Aeusserungen verlangten. Mittlerweile gelangte am 11. Februar die Klage, die der Cultusbeamte David Kopstein in seinem eigenen, wie im Namen seines Sohnes Felix gegen den genannten Professor angestrengt hatte, vor einem Appellsenate des Wiener Landesgerichtes zur Verhandlung. In der Klage heisst es: Wenn mein Sohn oder sonst ein anderer Schüler mosaischer Religion irgend einmal keine Gnade vor dem Angeklagten gefunden hat, so pflegte er denselben auf folgende Weise anzuschreien: „Ich will Sie nicht bei den Löffeln reissen, sonst sind morgen alle Zeitungen voll; da würde es heissen: ..Steinigt ihn, e Goi, e Professor, hat das talentvolle Jüngel bei den Ohren gerissen." Ein andermal fragt der Angeklagte: „Was ist zu thun, wenn der Vater ein Verschwender ist und zu befürchten ist, dass alles Geld vergeudet wird?" Ein Schüler antwortet auf diese Frage in ganz unschuldiger Weise: „Das Geld verstecken.'"' Darauf repliciert der Angeklagte sofort: „Wendet Euch nur an jene Andersgläubigen, die alle Kniffe vom Geldverstecken wissen und was zu thun ist, wenn sie Giranten sin d." Wenn ein Schüler mosaischer Religion geprüft wurde, pflegte er zu sagen: ..Erzählen Sie mir keine Lozelach und Schmonzes, ich bin kein Freund des Alten Testaments." Einem anderen rief der Professor zu: „Xehmen Sie sich eine andere Hose, damit Ihr Cadaver nicht durchfalle, und nehmen Sie das Gewächse, welches Sie Kopf, nennen, putzen Sie ihn mit der Bürste gut aus, spucken Sie hinein, und dann werfen Sie ihn auf den Misthaufen." Die Klage registriert nun folgende Worte, welche der Professor an den Knaben Felix Kopstein richtete: ..Frechheit ist eine Tugend, die in der Familie Kopstein sorgsam gepflegt wir &?c — „Sie jüdischer RotzbiüV! Sie Socialistenbub'! In meines Vaters Zeiten habt Ihr noch gar nicht ins Gymnasium hineindürfen, und jetzt ist dies der Dank dafür, dass man Euch hineinlässt." — ..Ihnen. Kopstein, sage ich kein gutes Ende voraus. Sie wer d e n n o e h E h r e n b ü rg er von Stein werden, dort werden Sie ein sorgenloses Alter verbringen; Sie werden im Landesgeri c h t e enden : Sie sind für die grauen Mauern geboren; ich kann Sie mir nicht anders vorstellen., als mit dem