Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 kurzgefasstes Werk Jacl hachzakoh enthält daher die hygienischen Gesetze der Thora, ergänzt durch eigene und von fremder Seite adoptierte Verordnungen. Maimonides nimmt das gesammte Gesundheitsregime der Menschen in jenen Codex auf. Die Grundzüge einer alle Lebensseiten umfassenden rationellen Privathygiene werden zu Gesetzen, die jeden verpflichten. Ohne den religiösen Boden, in welchem die jüdische Socialhygiene wurzelt, zu verlassen, wirkt Maimonides dennoch mit weit mehr Klarheit und Nachdruck auf die Bedeutung der Gesundheitspflege, als es seine Vorgänger zu thun vermochten. Sein Werk Jad hachzokoh gipfelt in dem Endresultat: Die Beinheit, Gesundheit und Blüte des Körpers wird nicht zum Selbstzweck, sondern zur Vorstufe der moralischen und geistigen Vervollkommnung der Menschen. Dieser Codex ist zweifellos eines der interessantesten und hervorragendsten Momente der social-hygienischen Gesetzgebung aller Zeiten und Völker. Ja, vielleicht ist niemals ein gleich umfassender Gesundheits-Codex erlassen worden. Vom 12. bis 16. Jahrhundert war der Jad hachzokoh als der allgemein verpflichtende Codex in den Händen der Juden. Dann kam Caro's Schulchan-Aruch, in welchem die social-hygienischen Gesetze noch fester mit religiösen Ceremonien und Geboten verbunden wurden. Die Hauptursache der Krankheiten entsprang nach Maimonides aus Mangel an Wissen. So wie der Blinde, dem das Sehen fehlt, sich fortwährend verwundet und andere anstösst, wenn er keinen Führer hat, so bereiten die Menschen sich selbst und ihren Nächsten Leiden, da ihnen das Wissen fehlt, denn das Wissen ist das Gesicht des Geistes. Maimonides suchte festzustellen, welche von den socialhygienischen Verordnungen der Thora und des Talmud auch für die Zukunft von Bedeutung seien und geht nach Beseitigung veralteter Bestimmungen an die Erneuerung des Gesetzes und schreibt sein Werk: Sepher hassiboth: Ueber die Ursachen der Krankheiten. Er fusst also ganz auf dem modernen Standpunkte eines Morgagni und Bokitansky (De sedibus et causis morborum). Der Beruf des Arztes stand mit Bücksicht auf die grosse Bedeutung der Gesundheitspflege bei den Juden in grossem Ansehen. Wir staunen über das medicinische Lehrgebäude der Bibel, welches später von den Priestern, den Leviten, ja von den Königen eifrig gepflegt wurde. Salomo schrieb das Werk Sepher Bephuot. Ja, die Könige waren überhaupt verpflichtet, Medicin zu studieren. In Jesaias III. ß lesen wir: Ich bin kein Arzt, macht mich nicht zum Leiter des Volkes. Maimonides stellte die Forderung, dass alle zu gesetzgeberischen Verrichtungen berufenen Männer die Medicin als Ergänzungswissenschaft kennen müssten. Die sogenannten Talmud-Aerzte nahmen den ärztlichen Beruf sehr ernst. Es ist bekannt, dass sie Sectionen an menchlichen Leichen und physiologische Experimente an Thieren