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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. Seite 11

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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11 Für uns kommt in diesem Momente die Xahrungshygiene nicht wegen des verbotenen Genusses von Blut, von Opferfleisch, von Fleisch bestimmter Thiergattungen, ebensowenig mit Bezug auf die Hervorkehrung der vorgeschriebenen Massigkeit, sondern nur insoferne in Betracht, als Vorsorge zu treffen ist, dass die Berührung mit unreinen Händen, der Zutritt unreiner Luft, pathogener Keime etc. von den Speisen abgehalten werden. Flüssigkeiten und Getränke in Gefässen, die nicht zugedeckt sind, sind verboten, ebenso Früchte, die offene, feuchte Risse haben. Man nehme keine Münze in den Mund etc. Es sind also Vorschriften, betreffend die Abwehr von Infectionen des Organismus im Wege der Nahrungsmittel, ein Moment, auf welches die neuere Zeit auf Grund von Experimenten und directen Beobachtungen grosses Gewicht legt. Es wird die Autorität der Religion zugunsten hygienischer Bestimmungen angerufen. Aus, ich möchte sagen, pädagogischen Gründen wird Reinheit für Gesundheit gesetzt. Kurz alles, was erfahrungsgemäss schädlich ist, muss gemieden werden und ist viel strenger zu behandeln als Verbote aus religiösen Motiven nach dem Satze: Chamira Sekanta meissura, Kn:DD KTfcrr ♦ kwkö So stellt Moses das moralische Element obenan, lässt es aber durch das physische leiten und mässigen. Die mosaische Hygiene berücksichtigt den Einfluss des Magens auf den Kopf und des Kopfes auf den Magen. Man kann also die Behauptung aufstellen: Hygiene ist Moral und Moral ist Hygiene. Dass die in Rede stehenden Gesetze in erster Linie das Physische im Auge hatten, geht auch daraus hervor, dass der in Aussicht gestellte Lohn für Befolgung der Gebote oder eine eventuelle Drohung bloss auf Leben und Gesundheit sich bezog. „Es ist kein leeres Wort für euch, sondern es ist euer Leben, und durch dieses Wort werdet ihr eure Tage verlängern/' (Deut. XXXII. 47.) Siehe, ich nehme heute Himmel und Erde zu Zeugen, dass ich vor dich gestellt Leben und Tod, Segen und Fluch. So wähle denn das Leben, auf dass du lebest, du und deine Nachkommen. Ehre Vater und Mutter, damit dein Leben verlängert werde. Das sind einfache Rathschläge und Voraussetzungen eines Arztes. Jedes Wort kann man mit dem Massstabe ärztlichen Wissens beurtheilen, und es wird als recht befunden werden. Dass Moses gründliches medicinisches Wissen hatte, welches er am ägyptischen Hofe und wahrscheinlich auch durch andere fremdländische Lehrer sich erworben hatte, steht ausser Zweifel. Ebenso mussten die Priester und Leviten, denen die social-hygienische Leitungdes Volkes später anvertraut war, ein umfassendes medicinisches Wissen haben. Die jüdische, von Moses eingeführte und seinen Xachfolgern befolgte Socialhygiene wurde von Maimonides auf Grund der bisherigen jüdischen und arabischen Cultur erneuert. Er trachtete, die Frucht der geistigen Arbeit der Propheten und Talmudisten zu erhalten. Sein

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