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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. Seite 13

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 13 (sequence 13)
Language
German
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13 machten, dass die jüdischen Gelehrten es waren, welche die medicinische Wissenschaft, als die Cultur der Sarazenen zugrunde gieng, als kostbaren Schatz bewahrt und überallhin verbreitet haben, dass sie die medicinische Schule von Montpellier gründeten. Noch anno 1300 war Profatus, ein Jude, Eector von Montpellier. Aus allem dem geht hervor, dass die Talmud-Aerzte ein gründliches ärztliches Wissen hatten. Es sei mir noch gestattet, einen Vorgänger von.Maimonid.es zu erwähnen, den Arzt Isaac Judaeus, der unter anderem ein hebräisches Werk unter dem Titel: Führer der Aerzte, verfasste, das erst im Jahre 1861 wieder entdeckt wurde und folgende Principien aufstellt: Die meisten Krankheiten genesen ohne Beistand es Arztes durch die Hilfe der Natur. — Hast Du die Wahl, durch Nahrungsmittel oder Arzneien zu heilen, so wähle stets die ersten. — Die wichtigste Aufgabe des Arztes ist es, Erkrankungen zu verhüten. Auch hier ist der naturgemässe und hygienische Charakter der ärztlichen Wirksamkeit gekennzeichnet. So glaube ich denn gesagt zu haben, dass Medicin und besonders Hygiene von jüdischen Aerzten in einem ganz modernen Sinne cultiviert wurden. In diesen rabbinischen Verordnungen fehlt bloss das Wort „Mikrob", sonst würden sie aussehen, als hätte sie ein Professor der Hygiene einer europäischen Universität in unserer Zeit geschrieben, sagt der gelehrte Arzt K. Lippe in einem seiner geistvollen Rabbinisch-wissenschaftlichen V orträge. Die ersten hygienischen Systeme reiften im Orient heran. Was wir heute mit den Namen: Religion, Ethik, Staatsorganisation, Gesetzgebung, Wissenschaft, Hygiene bezeichnen und als getrenntes Gebiet des Culturlebens betrachten, bildete bei den Völkern des Orients einen einzigen, festgefügten Culturbau, begründet von jenen grossen Männern, welche man mit Unrecht bloss Religionsstifter nennt, da sie Culturstifter waren, erhalten und fortgeführt von den Weisen, welche nicht nur Prieser, sondern auch Staatsmänner und Aerzte waren. Als ein Erfolg der social-hygienischen Gesetzgebung und Erziehung mag es angesehen werden, wenn das jüdische Volk mit seiner uralten strengen Vorschrift noch fortlebt. Werfen Sie einen Blick auf die vielen Völker, die im Laufe der Jahrtausende erblühten und zugrunde giengen, weil sie Dinge versuchten, die über ihre Natur giengen. Nur das jüdische Volk blühte auf, verblühte aber nicht. Glücklich in seinem Glauben, in seinem Wissen, kennt es keinen Zweifel im Einzelnen, keinen Zwiespalt im Volke, keinen Zwiespalt in der Welt. Jeder Jude ein ganzer Mensch, die gesammte weit zerstreute Nation, ohne Vaterland, ohne Verbindung, dennoch ein einiges geistiges Volk von Brüdern. Israel, das seiner Pflicht treu geblieben, ragt noch in diese Welt hinein, wie ein Fels im Meere, den die unsteten Wogen umspülen, weil es im Leben, in der Arbeit, in Bezug auf Geist und Körper die natürliche Richtung einschlägt.

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