Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 10 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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10 zunächst die Vermeidung aller Ursachen der Verunreinigung und bezeichnet das Wasser als Hauptdesinfectionsniittel, genau wie es bei der Hygiene der Neuzeit der Fall ist. Die moderne Wissensehaft muss die meisten Principien des Seder Taharath billigen, ja die genaue Kenntnis der Wege, auf denen Krankheitskeime acquiriert werden, bewundern. Die social-hygienischen Einrichtungen der mosaischen Beligion, sagt X o s s i g in seinem vortrefflichen Buche, sind die Blüten der altorientalischen Gesundheitsphilosophie, und Leven bezeichnet die Hygiene Mosis als den Ausdruck einer bewunderungswürdigen Anpassung an die Natur des menschlichen Organismus. Im T. Sanhedrin 7 heisst es: In der Stadt, wo Polizei und Badestube fehlen, darf kein gebildeter Mann (Schüler der Weisen) wohnen. Nach Maimonides ist es verboten, eine Gemeinde zu bewohnen, in welcher folgende Dinge nicht vorhanden sind: 1. Ein Arzt, 2. ein Chirurg, 3. ein Bad, 4. ein Anstandsort, 5. Wasser: Elüsse oder Quellen, 6. eine Synagoge, 7. ein Knabenerzieher, 8. ein Schreiber, 9. ein Almosensammler, 10. eine Behörde mit dem Rechte, ins Gefängnis zu werfen. Der Umstand ist doch bemerkenswert, dass der Arzt an erster, die Synagoge an sechster Stelle erscheint. Werfen wir nun die Frage auf, welchen Zweck hatten die strengen Vorschriften des jüdischen Ceremoniells? Welche Bewandtnis hatte dieses mit den antiseptischen Grundsätzen, deren Analogie sich als zweifellos herausstellt? In erster Linie war es die Nahrungshygiene, welche hier in Betracht kommt, und auf die erst in der Neuzeit grosses Gewicht gelegt wird. Der Nahrungseodex verbietet den Gebrauch von Genussmitteln, welche ungesund sind, d. h. bei denen die Möglichkeit thierischer oder pflanzlicher Parasiten besteht. Das aus dem Innern des Thierkörpers stammende Fett ist verboten, weil es, in der Nachbarschaft der grossen Lymphdrüsen gelegen, oft Keime von Krankheiten beherbergt. Maimonides führt ausdrücklich an: Alle verbotenen Speisen sind ungesund. In jeder Beziehung ist bei den Nahrungsmitteln Vorsorge getroffen, dass dem Organismus keine Krankheitsstoffe zugeführt werden. Den Speisegesetzen wird grosse Bedeutung zugeschrieben, weil von der exacten Handhabung derselben auch die Gesundheit abhängt. In Bezug auf Nahrungsmittel gelten 1. Vorschriften, betreffend die Massigkeit, 2. solche in Bezug auf die Qualität. Dieselben dienen zur Förderung der Moralität und der* Gesundheit. Zahlreiche interessante Details wären hier anzuführen. Ich citiere bloss folgende These: Wer seinen Magen mit gleichviel welcher Speise überladet, den wird ein Fieber ergreifen. Ferner: Gerade wenn eine Mahlzeit Dir schmeckt, musst Du Dich deren zu enthalten suchen. (Tr. Gittin 70.)