Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 reinen Luft und gutem Wasser wird der grösste Theil jener Stoffe bereitet, welche die Aerzte Lebensgeister nennen. Nach dem Princip der Pneumatiker, dem auch Galen zugethan war, hängt nämlich das Leben der Menschen lediglich von den in der Atmosphäre enthaltenen Lebensgeistern ab. Wer seine Hand in das Haus eines Aussätzigen gesteckt, dessen Hand ist nach R. Akiba im ersten Grad unrein, denn alles kommt von der Luft, pflegte dieser zu sagen. Auch eine Art von Desinfection findet sich schon unter den mosaischen Vorschriften. Ich meine die mit der Asche der rothen Kuh. Eine Quantität Asche mit fliessendem Wasser gemengt, bildet das Reinigungswasser, mit welchem alle unreinen Personen besprengt werden. Allem Anscheine nach vertritt dieses Wasser die Stelle der modernen Desinfectionsmittel. Diese und andere Desinfectionsnormen zeigen uns, dass der Verfasser der Bibel die Mikroben so weit gekannt hat, als dies ohne Mikroskop möglich ist, dass er die desinficierende Wirkung des Feuers und Wassers begriff und angewendet hat. Maimonides gesteht übrigens in Möre nebauchim, dass er die Bedeutung dieser Vorschrift und die Zusammensetzung der Bestandtheile sich nicht erklären könne. Im Uebrigen besteht über diese Asche der rothen Kuh eine ganze Literatur. Inficierte Kleider werden sieben Tage vom Priester isoliert, eventuell gewaschen oder verbrannt (Leviticus XIII. 47—53), genau wie es die modernen Desinfectionsvorschriften fordern. Bs ist das erstemal in der Geschichte, sagt Gueneau de Mussy, dass Kleider als Vehikel pathogener Keime betrachtet werden. Auch die Anzeigepflicht, die bei Infectionskrankheiten in der Neuzeit strenge gehandhabt wird, bestand schon als Theil der socialhygienischen Vorschriften bei den Juden. Inbezug auf Reinlichkeit, welche zur Erhaltung unserer Gesundheit, namentlich mit Rücksicht auf Pflege der Haut unumgänglich nothwendig ist, heisst es in der Bibel: &:zb yniz vrr nr brn Deine Kleider müssen jederzeit weiss — will heissen unbefleckt — sein. — Im Anschlüsse daran sei der Satz angeführt ininö^n^ianri): Aeussere Peinlichkeit hat innere Herzensreinheit zur Folge (Tr. Sota 49). Ein zweiter Satz: Die Reinheit führt zur Heiligkeit tonö pvpJ wnp n^- Im allgemeinen: unrein ansteckend. Selbst die Priester mussten sich nicht nur beim Amtsantritte, sondern auch während ihrer Amtsverrichtungen im Tempel theils waschen, theils baden. Besonders waren es während des nachexilischen Zeitraumes die Pharisäer und Essäer, die sich durch ihre strengen Reinlichkeitsgebräuche auszeichneten. Der Seder Taharath ist ein Reinheits- und Desinfections-Codex, in dem alles mit Sorgfalt und minutiöser Genauigkeit ausgeführt wird. Die in demselben angegebene prophylaktische Vorschrift empfiehlt