Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 3 (3.1902)
- Date
- 1902-03-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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scheinen derlei Ahnungen gehabt zu haben, wenn man deren Beschreibung und die fortschrittlichen Ereignisse (elektrische Beleuchtung, Telephon usw.) ins Auge fasst. Die prophetische Ahnung der jüdischen Lehrer, der vielgelästerten Talmudjuden, ist in Erfüllung gegangen durch die wissenschaftliche Leistung des jüdischen Gelehrten Professors Ferdinand Cohn, der die Mikroben, Coccen und Bacillen entdeckte. Um nochmals auf* den früheren Gegenstand zurückzukommen, so erwähne ich, dass z. B. auf ungewaschenen Händen des Morgens ein böser Geist mit Namen Schiwtha ruhe. Dieser vergiftet jede Speise, die mit ungewaschenen Händen bereitet oder dargereicht wird. Wenn nun ein Kind mit solchen Händen die Nahrung erhält, so überfällt es ein schweres Halsleiden, Bräune, wahrscheinlich Diphtherie (Joma 77. 2). Eine sonderbare Ansicht besteht inbezug auf eine Krankheit, die im Talmud Eoszon jn*n genannt wird und mit der sogenannten Botzkrankheit, einer Infection durch das Pferd, identisch sein dürfte. Die Talmudisten suchten den Grund der Krankheit in einem thierisehen Parasiten des Gehirns und schlugen eine operative Eröffnung der Hirnschale und Herausbeförderung des Parasiten mittelst Zange vor (Ketub. 77. 2). Nach neuen Erfahrungen und Studien auf diesem Gebiete ist die Annahme der Talmudärzte vollkommen begründet. Bezüglich des Schweisses heisst es im Joreh Deah (116), dass jede Ausschwitzung wie Gift sei, mit Ausnahme der des Gesichtes. Man dürfte daher keinen Brodlaib unter den Arm in die Achselhöhle nehmen. Erst in der neueren Zeit wurden Mittheilungen publiciert, denen zufolge durch Bücher ansteckende Krankheiten vermittelt wurden. Den Talmudlehrern muss die Thatsache bekannt gewesen sein. Sie schrieben in dem oben erwähnten Tr. Jadaim: snip "zns b'D B^rn nfc (Alle heiligen Schriften verunreinigen die Hände.) Die Commentatoren waren nicht imstande, für diesen Satz eine Erklärung zu finden. Heute besitzen wir diese auf Grund der Lehre von Mikroben. Diese heiligen Bücher und Schriften waren nämlich auf Pergament mit öliger Tinte geschrieben, als organische Körper also für Mikroben sehr günstig. Daher kommt es, dass wenig gebräuchliche Bücher, das sind solche, die von verschiedenen Händen weniger berührt werden, z. B. Homers Buch, nicht als unrein galten. Auf W Ii n d p f 1 e g e speciell bezieht sich das biblische Gebot: Achte auf die Wunde des Aussatzes, auf dass du strenge beobachtest und alles thust. was der Priester vom Stamme Levi euch lehren wird. (Deuter: XXIV. 8. Num. V. 2—4.) Als wesentlicher Träger von Krankheitskeimen wird die Luft angesehen, namentlich schlechte Luft nach dem Satze in Babamezia 107, wo es heisst, dass Krankheiten durch die Luft erzeugt werden können, denn die Luft ist die Ursache aller Krankheiten. Ueber den pathogenen Einfluss verdorbener Luft äussert sich Maimonides in seinen Tractaten nach Art eines modernen Hygienikers: Aus der