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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-03-01 · 3 (3.1902) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
3 (3.1902)
Date
1902-03-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Auf die vielen bekannten Beschreibungen des Aussatzes und die gegen denselben in Anwendung gebrachte Behandlungsmethode, insbesondere die Isolierung, auf die strengen Vorschriften für das Geschlechtsleben der Frauen etc., soll nicht weiter eingegangen werdest. Erwähnt sei aber, dass das Lepragesetz, wie es in der Bibel vorkommt, uns zeigt, dass Moses die Existenz jener kleinen Krankheitskeime, welche man heute Mikroben nennt, nicht nur ahnte, sondern auch kannte, wenn ihm auch die organische Natur derselben verborgen blieb. Diese Yermuthung pathogener Organismen ohne einen effeetivcn Nachweis kommt erst bei Professor Skoda wieder vor, der auf Grund von logischer Beweisführung die Möglichkeit zugab, dass eine Erkrankung des menschlichen Organismus nicht durch die vulgär angenommene Erkältung, sondern durch pflanzliche oder thierische Invasionen zustande komme, die aber bis dahin wissenschaftlich noch nicht erwiesen waren. Heute wissen wir es von einer grossen Anzahl von Krankheiten, dass sie durch kleine Organismen, Mikroben, durch Coccen, Bacillen etc. erzeugt werden. Mit der eingeathmeten Luft, mit dem Wasser, mit den Nahrungsmitteln dringen sie in den menschlichen Körper, und je nach ihrer Qualität erregen sie diverse Krankheitsformen. Es ist nun von höchstem Interesse, zu erfahren, dass die Rabbiner die Existenz der Mikroben ahnten und sie Masikin pp*7ö nannten. Von dem Wasser, welches einige Zeit in einem unbedeckten Gefässe stand, musste die obere Schichte vor dem Trinken abgegossen werden, weil inzwischen Masikin sich einstellten. Wenn gar das Wasser über Nacht im unbedeckten Gefässe war, so musste es ganz weggegossen werden, weil die Masikin im gesammten Wasser sich verbreitet haben. Diese strenge Weisung lässt die Annahme zu, dass jene Gelehrten nur an organische Substanzen dachten. Sie beweisen dieses auch durch folgenden Satz (in Berachot 6a): p$b mtsn nana kVe^K pisn *izb iiEyS nbirr rmn mmb Wäre es dem Auge möglich zu sehen, so würde kein Geschöpf wegen der Masikin bestehen können. Hierher gehört auch die Bezeichnung des aus einem Friedhof stammenden Wassers als unrein, so dass es zum Baden und Trinken verboten wrar, olfenbar in richtiger Erkenntnis, dass es faule, krankmachende Stoffe enthält. Im Orach Chaim (4, 18) verlangt Josef Caro, dass man sich beim Aufstehen dreimal die Hände übergiesse, um das schädliche Pneuma, njn nri von den Händen wegzubringen. Wenn hier von rrn, Hin einem bösen Geist und anderwärts von min mnv\ bösen Geistern die Eede ist, so ist wohl die Annahme, dass im Sinne der damaligen Anschauung nicht immer an organische Substanzen gedacht wurde, statthaft, aber ursprünglich mochten doch nur diese gemeint gewesen sein. Die Annahme einer prophetischen Ahnung ist wohl statthaft, da von Historikern und Staatsmännern, von Gelehrten und Dichtern solche Vorhersagen bekannt sind. Sogar Märchendichter

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