Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 14 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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14 schild rein und spiegelblank gerettet hat, das sichert ihm einen Ehrenplatz im Ruhmestempel der gesammten Menschheit! In dem kabbalistisch-chassidischen Sefer hamiddoth von einem Schüler und Enkel des Israel Beseht flindet sich ein Wort, welches des grössten Culturhistorikers würdig ist: -ryrr bvrn irnon "pjnv in „Ein Grosskaufmann in einer Stadt ist ein Licht in der Stadt44. Was das bedeuten soll, ist klar. Der Kaufmann ist der Förderer der Bildung. Allen Schwingungen und Schwankungen im täglichen Verkehre ist doch keiner mehr ausgesetzt als der Kaufmann. Von allen socialen Schwankungen wird er berührt, er muss für alles Neue das Auge stets offen halten, er muss sich von allen Vorurtheilen losreissen, denn der menschliche Geist rastet und rostet nicht. Was der Kaufmann wahrgenommen, das theilt er seiner Umgebung mit. Dies alles, meine Verehrten, glaube ich, erklärt zur Genüge den Hass, mit welchem die Reactionäre aller^Zeiten, mit welchem die Mächte der Finsternis in allen Ländern den Kaufmannsstand verfolgen und zu beirren suchen. Das Judenthum hingegen bleibe für alle Zeiten seiner ruhmreichen Tradition getreu in der Hochschätzung des ehrlichen Kaufmannes, in der Hochhaltung der kaufmännischen Ehre! (Lebhafter anhaltender Beifall.) Landesgerichtsrath Dr. Jacob Kohn. (Gedenkrede, gehalten in der Versammlung der „Oesterreichisch- Israelitischen Union" vom 25. Jänner 1902 von Prof. S. Ehr mann.) Die „Oesterreichisch-Israelitische Union" hat durch das Hinscheiden ihres unvergesslichen Ehrenmitgliedes Herrn Landesgerichtsrath Dr. Jacob Kohn einen herben und schweren Verlust erlitten. Wenn am nächsten Versöhnungstage in den Bethäusern wieder die Klage ertönen wird: „Änsehei emunah awadu". „Die Männer der Treue sind dahin," dann werden die österreichischen Juden den Verewigten dazuzähleu. „Ein Mann der Treue" — dieses Wort tauchte sofort über der Schwelle meines Bewusstseins auf, als ich die jähe Todesnachricht empfieng. Er gehörte zu jenen seltenen, ganzen Männern, die, aus einem Guss geformt, die festesten Säulen der menschlichen Gesellschaft darstellen. Er war vor allem treu sich selbst, seiner Eigenart, seiner Ueberzeugung, er wrollte nicht anders scheinen, als er war, und nur als das genommen werden, was seinem innersten Kern entsprach. Er wollte weder seine Abkunft, noch seine Gonfession verleugnen, um Vorurtheilen zuliebe ein anderer zu scheinen. Und wenn er trotzdem ein so hohes Richteramt bekleiden durfte, wie es bisher Bekennern der jüdischen Confession nicht zugänglich war, so beweist dies nur, dass es in der Justiz weise Männer gab und hoffentlich auch \ eiterhin geben