Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 9 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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9 ausstaffirten jüdischen Hause erfahren wir, dass darin eine solche Armut herrschte, dass man das Brennöl in Eierschalen anzünden musste. Der Adel und die Geistlichkeit selbst sagten: Wir müssen ja dem Juden einen grösseren Zinsfuss gewähren, denn wenn man ihm Steuern und Zoll abzieht, bleibt ihm ja nicht so viel, dass er das nackte Leben fristen kann. Werfen wir nun einen Blick auf das, was die Juden geleistet haben. Leopold der Glorreiche von Oesterreich hat mit jüdischem Gelde die Strasse über den Semmering gebaut, jene Strasse, welche die Nordsee mit Venedig verbindet Gerade zu jener Zeit haben Juden durch Einführung eines festen Finanzsystems die Gründung der Territorien mitgeschaffen und so sich mitbetheiligt an der Gründung der deutschen Staaten. Wir sehen also die Juden aus dem Geldgeschäfte verdrängt. An ihre Stelle treten die Fugger, Welser und die deutsche Hansa. Dass damit eine grosse Förderung des Volkswohles oder der Moral stattfand, hat kein Forscher behauptet. Was die Hansa betrifft, hat sie die nordischen Völker derart ausgesaugt, dass die erste Regung der nordischen Völker sich darin äusserte, dass sie die deutschen Kaufleute aus dem Lande trieben. Von den Welsern erfahren wir, dass sie zumeist Wucher getrieben haben. Lukas Rem erzählt in seinem Tagebuche von einem Kaufmanne, der durch 18 Jahre für die Welser Gut und Blut in die Schanze geschlagen hat und dann die Bübereien und den Wucher aufdeckt, dass er sang- und klanglos vor die Thür gesetzt wurde. Nicht zu reden ist hier von dem Sclavenhandel des XVIII. Jahrhundertes. Ich betone aber, dass deutsche Fürsten an dem Kornwucher Antheil hatten. Die Fugger haben dafür gesorgt, dass die Worte „fuggern* und „wuchern" identisch wurden. Sie waren aber vornehme Herren. Als die deutschen Kurfürsten beisammensitzen, um bei der Kaiserwahl zu entscheiden, da erfahren wir ganz genau, was diese Perren als Douceur von Frankreich erhalten haben, das galt für eine Sitte, die sich sehr wohl mit dem Furor teutonicus zu vertragen scheint. Genauer unterrichtet sind wir über die Summen, welche die Fugger von Karl von Spanien erhielten. Diese Einnahmen sind genau gebucht erhalten. Die Fugger haben die Kaiserkrone gekauft, und ein Fugger schrieb: „Majestät, Sie wissen ja, wem Sie die Kaiserkrone verdanken." So trieb man damals Schacher mit den heiligsten Dingen, und man begreift, wenn deutsche Männer, wie Hans Sachs und andere, gegen solche niederträchtige Glaubensgenossen eifern. Bei solchen Thatsachen dürfen wir nicht schweigen, da dürfen wir nicht dulden, dass man unsere Väter im Grabe schändet und die Ehre des jüdischen Kauimannes schändet!