Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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8 niemals mit dem Juden theilen. Man hatte genug von ihnen gelernt, um sie entbehren zu können. Das ist das wahre und wichtigste Motiv der arischen Glaubenshelden und das ist das Ende des jüdischen Handels im Mittelalter. Die Noth des Juden wussten die Bischöfe weidlich auszunützen; in ihrer Hand wird der Jude eine Steuerschraube wider Willen, wir können es nicht oft genug betonen, er war damals ein willenloser Sclave, er war auf die Gnade der Herren angewiesen. So kam es, dass die Fürsten den Juden zwangen, Geld zu haben, und kaum regte sich das Volk gegen den Herrn, so schlug es den Juden des Geldes wegen. Der schwarze Tod war der Vorwand des grausigen Blutbades des XIV. Jahrhunderts und diese Judengemetzel haben die Juden auf Jahrhunderte auf das niedrigste sociale Niveau hinabgeschleudert! Sehen wir uns einmal den vielgeschmähten jüdischen Wucher näher an. In Basel, welche Stadt sich seit der Judenaustreibung nie ganz erholen konnte, spielten die Juden eine hohe wirtschaftliche Rolle. Sebastian Brand, der Verfasser des „NarrenschiffesÄ, der schärfste Satiriker seinerzeit, weiss den Juden nichts nachzusagen, wohl aber berichtet er von dem christlichen Wucher. Und wie arg kann es damals mit dem jüdischen Wucher gewesen sein, wenn damals dem deutschen Volksmunde das Wort geläufig war: „Wer sagt, dass Wucher Sünde sei, der hat kein Geld.44 Kaum waren die Juden vertrieben, so beginnt ein Jammern und Klagen über Wucher, und oft musste der Jude herbei — um sich des christlichen Wucherers zu erwehren. Wer war es dann also, der aus den Geldgeschäften eine Anklage gegen ihn geschmiedet hat? Die höchste Geistlichkeit und weltliche Herren hatten ihre Geldgeschäfte den jüdischen Händlern anvertraut. Diese Tradition hat sich auch im Vatican erhalten. Im XIV. Jahrhundert führte ein Jude im Auftrage des Kurfürsten von Trier die gesammte Finanz Wirtschaft. Als König Kasimir von Polen die Universität Krakau gründete, liess er dort Juden ansiedeln, um die Studenten vor Wucher zu bewahren. Und ein Herzog von Schlesien macht sogar einen Juden zum Aufseher seiner Küche! Wo bleibt da die Kehrseite? In dem schönen Wien finden wir, wie auch anderswo, jüdische Pfandleiher. Der hohe Adel und die Geistlichkeit hatten die Liegenschaften verpfändet und waren tief in die Schuld der Juden gerathen. Da griff man zu dem radicalsten Mittel, indem man den Gläubiger mundtodt machte. Was hat nun der Jude bei diesem traurigen Handel in Wirklichkeit verdient? Das Märchen vom jüdischen Reichthum ist damals aufgekommen, von ungeheuren Schätzen an Gold und Silber. In Wahrheit hören wir aber, dass Silberschmuck in jüdischen Händen so selten war, dass man silberne Schüsseln christliche Schüsseln nannte, und von einem solchen, mit Silber