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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-02-01 · 2 (2.1902) · p. Seite 7

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
2 (2.1902)
Date
1902-02-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Selbst bei judenfeindlichen Schriftstellern findet sieh nicht ein Wort von jüdischem Wucher und Schacher. Und weshalb? Den Wucher betrieben damals nicht die Juden, sondern die Geistlichkeit, der Glerus, insbesondere die Klöster, die das Geldgeschäft bis zur Wende des XL Jahrhunderts in Händen hatten, und dann später der Templerorden, der nicht nur die Blüte des Mönchthums, sondern auch der Ritterschaft vereinte, der gelegentlich auch die heiligsten Reliquien als Unterpfand entgegennahm. Die Herren haben Schule gemacht, das zeigt die Verbrüderung der Missionäre in China. Und über den päpstlichen Stuhl haben zwei christliche Forscher geschrieben: Gottlieb („Päpstliche Darleihen des XIII. Jahrhunderts") und Schneider („Beziehungen der Florentiner zur Kirche"). So stand es damals mit dem Wucher. Und wer besorgte damals den jüdischen Schacher? Werfen wir einen Blick auf die judenreinen germanischen Völker, da sind wir erstaunt, wie immer wieder gegen diejenigen geeifert wird, die nur in Israel heimatsberechtigt sein sollen. Da hört man zuerst von dem Wucher der Geistlichkeit. Der gute Gerhard führt uns einen christlichen Kaufmann vor Augen und sagt, 100 Percent und darüber ist der gewöhnliche Verdienst, und dieser Gerhard ist nicht die Ausnahme, sondern die RegeL Aber dann lesen wir in den alten Gesetzen das ganze Sündenregister, das man immer wieder dem jüdischen Schacher auf die Rechnung setzt, wir hören von Lug und Trug, von Münzfälschung, von Unterschlagungen von Depots, von Betrug im Pferdehandel und von Betrug im Handel mit alten Kleidern. Auf dem Strassburger Münster sieht man zwei lebensgrosse Frauengestalten, die eine in stolzer Haltung, die andere in demüthiger Stellung; sie stellt die besiegte Synagoge dar, die andere die triumphierende Kirche. Das Motiv des Streites zwischen Kirche und Synagoge lässt sich weit zurück verfolgen, immer und überall stehen diese beiden Gegnerinnen einander gegenüber, immer war es eine Wendung zu Ungunsten der Synagoge. Eine Wandlung trat erst ein mit Beginn der Kreuzzüge. Man hat diese Wandlung durch Erwachen des religiösen Fanatismus erklären wollen. Der wahre Grund liegt aber tiefer. Die Kirche hatte ihren Gläubigen den Wucher verboten, nicht aus religiösen Bedenken, sondern die Aristokratie hatte sich gegen Geldgeschäfte ausgesprochen. Die Bischöfe der Städte suchten, da sie selbst den Wucher meiden mussten, ausserhalb der Christenheit einen, auf den sie den Vorwurf abwälzen konnten, und sie fanden oder vielmehr zwangen ihn, sich finden zu lassen — den Juden. Zu dieser Zeit hatte der Luxus mit den Kreuzzügen viel zugenommen. Es gab leicht zu verdienen und da wollte man

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