Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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6 stützen unsere einheimische Tuch- und Wollwarenidustrie weit mehr als unsere Leipziger Banquiers." Gewisse Industriezweige haben die Juden geradezu monopolisiert. Juden waren Silberarbeiter in Italien, Juden waren gesuchte Optiker und Diamantschleifer in Amsterdam. Ein Jude hat die Wasseruhr erfunden. Auch als Seefahrer sind die Juden nicht gewürdigt worden, sie waren es nicht nur in Aegypten, auch in der Levante. Und welche Dienste sie als Matrosen und Lootsen den Holländern und Engländern auf ihren Eroberungszügen geleistet haben, davon weist die" Geschichte genügende Daten auf. Als Karl der Grosse die normannische Küste berührte, kamen Schiffe in Sicht; seine Begleitung rief: „Das sind jüdische Seefahrer." In Altona haben im XVII. Jahrhundert Juden eine schwunghafte Schiffahrt nach Grönland betrieben. Dadurch haben sie den Eifer der Nachbarn gestachelt. Das kleine Ländchen Palästina zwang die Juden zu tüchtigen Landwirten, es hat aus ihnen tüchtige Händler gemacht. Aus dem ersten Jahrhunderte der üblichen Zeitrechnung ist ein Werk erhalten, das man den Ariern zuschreibt; dies Werk stammt aber in Wahrheit von einem Juden in Alexandrien. Von einem jüdischen Kaufmanne in dieser Stadt schildert uns diese Schrift eine Handelsreise durch das erythräische Meer und gelangt bis Vorderasien. Aus dem neunten Jahrhundert erzählt ein arabischer Generalpostmeister, dass jüdische Händler einen ununterbrochenen Handel zwischen der Strasse von Gibraltar und dem chinesischen Meere unterhalten haben. Denken wir uns nun einen geschlossenen Ring zu den jüdischen Colonien vom Mittelmeere bis an die Ostküste Asiens und hinauf bis an die Nordsee und den Steppen Ostasiens, vor denen heute noch der Fuss der Forscher zurückschreckt. Welche Perspective herrlichsten Schaffens bietet sich da im Dienste der Cultur! Da darf es uns nicht wundernehmen, wenn der Kirchenvater Augustin erzählt, dass Juden als Jünglinge auszogen und als Greise wiederkehrten! Ueberall fand er Juden, die deutschen Kreuzritter warnte man vor den Juden im Osten, und als Vasco de Gama den fremden Boden betritt, begrüsst ihn als Dolmetsch — ein Jude aus Polen! Das ist ein weltgeschichtlicher Beleg für das Sprichwort: Aus einem Bocher kann man alles machen. Wie, meine Verehrten, tritt nun der Jude als Kaufmann auf? Karl der Grosse zieht Juden in sein Reich und betraut diese mit diplomatischen Botschaften. Otto der Grosse stattet jüdische Kaufleute bei Gründung Magdeburgs mit besonderen Privilegien aus, sie werden allen enderen vorangestellt. Bischof Rüdiger von Speyer sagt: „. . . Als ich Speyer vergrössern wollte, da glaubte ich den Wohlstand tausendfach zu vermehren, indem ich Juden darin aufnahm.tt #