Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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5 das Wort: „Das Geld ist nicht anrüchig, es plauscht nicht aus, woher es kommt." Es ist ein Moment von völkerpsychologischer Bedeutung, dass im römischen Pantheon ein Gott thront — der zugleich der Gott der Kaufleute und der Diebe ist. Dieser Gott Mercur, verwandt mit dem nordischen Gotte Odin, ist zugleich der Hauptgott der Germanen. Ich frage, wie würde ein Ghamberlain aus solchen Thatsachen seine Rassentheorie gestalten? Gestatten Sie eine Wahrnehmung. Derselbe Tacitus, der sonst nicht ein gutes Haar an den Juden lässt und der von dem Wucher der Römer in Rom erzählt, von einem weiss er nichts zu erzählen, von dem Wucher der römischen Juden. Noch schärfer tritt dies hervor aus der Geschichte des Handels im christlichen Mittelalter. Es stellt sich das römische Reich als ein angeheures Freihafengebiet vor. Man liest, dass eine commerzielle Gesandtschaft aus Ceylon in Rom eintrifft, und dass am Hofe des Kaisers von China römische Abgesandte erscheinen. Dies farbenprächtige Bild geht durch Germanenhände in Trümmer! Und diese Trümmer erscheinen unvereinbar für alle Zeiten. Da tritt ein Volk in die Bresche, von der Vorsehung berufen, von neuem anzuspinnen die Fäden des gewaltigen Netzes, das wir die Cultur der Menschheit nennen. Die Juden sind es, die diese verstreuten Scherben kaleidoskopisch von neuem zusammensetzen. Von Haus aus waren diese Juden ausschliesslich Ackerbauer. Ignaz von Döllinger, der bekannte Stifter Probst und Präsident der Münchener Akademie der Wissenschaften, sagt in einer Rede: „Ein fleissiges Volk waren die Juden immer. Zur Zeit, als sie noch eigene Staaten bildeten, waren Handel und Feldarbeit ihre ausschliessliche Beschäftigung". So blieb es auch noch Jahrhunderte nach der Zerstreuung des jüdischen Volkes, und wir fügen hinzu, so blieb es auch weit später. Noch weit später haben sich Juden ausgezeichnet im Landbau und in der Industrie. Hier einzelne Daten von Interesse: Die Juden haben den Tabaksbau in den verschiedenen europäischen Ländern eingeführt. Ein Jude, Luis de Torres, ein Zeitgefährte des Christoph Columbus, hat die Tabaksindustrie erfunden. Den Kaffee brachte ein Jude nach England. (Hiess auch jüdisches Getränk.) Ein portugiesischer Jude hat 1548 in Brasilien zum erstenmale Zuckerrohr angebaut, und wieder ein Jude hat den Candiazucker nach dem Westen gebracht. Tuchfabrikant war ein Jude in Spanien, England und selbst in Oesterreich, bis 1360 auf Andrängen der germanischen Zünfte dies verboten wurde. Ein Prager Jude, Joachim Gans, hat England unter Elisabeth mit der Kupferindustrie bekannt gemacht. Wiener Juden haben in Ungarn die Seidencultur begonnen und günstigeResultate erzielt. Einem Leipziger Messberichte (1841) entnehmen wir die Worte: „Die österreichischen Lieferanten