Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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3 deutsche Kaiser lasse ihm die Sonne seiner Gnade leuchten. Houston Stewart, C h a m b e r 1 a i n, hat in einem jetzt viel genannten Buche den Versuch unternommen, unsere Glaubensvorfahren, welche bereit waren, ihrer Ueberzeugung das Leben von Weib und Kind zu opfern, und diese Bereitschaft im grausigen Feuertode bekundet haben, zu schmähen, er hat es unternommen, diese Blutzeugen noch im Grabe zu beschimpfen. Er wagte es, die Nachkommen eines Volkes, das schon den babylonischen Thurmbau sah, als Rosstäuscher und profitwüthige Wucherer zu zeihen, als Leute ohne einen Funken kaufmännischer Ehre. Als dieses Buch auf dem Markte erschien, da kam gerade a tempo der Sturz der arischen Pommer-Banken, der muckerischen Spielhagen-Banken, der Krach der Dresdener Greditanstalt und der Leipziger Bank, kurzum es kam der Krach einer ganzen Reihe judenreiner Geldinstitute; der Zusammensturz war nicht etwa verschuldet durch eine alles entwurzelnde Weltkrisis, sondern einzig und allein durch die persönliche Unredlichkeit der arisch-germanischen Geschäftsleute, der Directoren, die, frömmelnde Phrasen auf den Lippen, mit einer Frivolität, die einzig dasteht, das Nationalvermögen um hunderte von Millionen betrogen haben. Die Art und Weise, wie deutsche Richter in einigen bereits abgeschlossenen Bankprocessen über die hauptschuldigen Directoren geurtheilt haben, fesselt das Interesse nicht nur des Juristen, sondern auch des Gulturhistorikers, und siehe da, von all den wichtigen Fragen, die dabei in Betracht kommen, blieb ganz ausgeschlossen die Frage, wie weit sich denn diese Angeklagten an der kaufmännischen Ehre vergangen haben. In den Urtheilsgründen wird dieser Begriff der kaufmännischen Ehre vollkommen ausgeschaltet. Und wenn wir auf diese Vorgänge und auf die Geschichte des Handels zurücksehen und da die Methode eines Ghamberlain anwenden, dann gelangen wir zu Resultaten, die er selbst am wenigsten erwartete. Schon im alten Indien finden wir einen Gott des Geldes, zu dem man betet, er möge den Gläubigen das Herz nach Reichthum gierig machen. Vergleichen Sie einmal die Gebete des alten Judenkönigs David und das Gebet seines Sohnes, als er ihn auffordert, sich ein hohes seltenes Gut auszusuchen. Er bittet nicht um Geld und Reichthum, er bittet um ein verständiges Herz, das Volk zu richten und zu leiten. Im alten Hellas, dem Ideal arischer Geistesbildung, galt das Wort: „Geld ist der Mann". Und im hochgebildeten Athen, da wüthete kaum 100 Jahre nach der allgemeinen Einführung des Geldes ein solcher Wucher, dass Solon, um den Staat zu retten, zu einem Gewaltacte greifen muss. Er gestattet die Gontrahierung von Schulden, die in leichter Münze zurückzuzahlen sind. Einen festen Zinsfuss gibt es gar nicht, Zinseszinsen sind ebenso an der Tagesordnung wie das Verfahren des ganz modernen „harmlosen"