Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 2 (2.1902)
- Date
- 1902-02-01
- Page
- Seite 2 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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trugen, veranlasst, gerade in der allerletzten Zeit bei einigen hohen Centralstellen, unserem statutenmässigen Wirkungskreise entsprechend, Beschwerde einzulegen. Angesichts des Umstandes, dass diese Begebenheiten nicht entgiltig geklärt sind, respective dass die gerichtliche oder sonstige behördliche Durchführung dieser Angelegenheiten noch nicht zum Abschluss gelangt ist, behalte ich mir vor, nach Abwicklung derselben darauf zurückzukommen, nachdem der Vereinsausschuss es für seine Pflicht hält, die Mitglieder über seine Thätigkeit stets im Laufenden zu erhalten. Unsere Heimatsrechtsaction wird eifrig fortgesetzt, und wir sind bisher für circa 800 Aufnahmsbewerber um die Verleihung der Zuständigkeit nach Wien eingeschritten. Seit der letzten, am 14. December abgehaltenen Vereinsversammlung sind der Union 150 Mitglieder zugewachsen, so dass sich unser Mitgliederstand derzeit auf 4796 beläuft. (Beifall). Ich darf mit Befriedigung constatieren, dass das Interesse der österreichischen Judenschaft für die Bestrebungen der „Union" unausgesetzt im Wachsen ist, und wir werden unsere agitatorische Thätigkeit demnächst wieder mit aller Energie aufnehmen. Anlässlich der am 14. December erfolgten Inaugurierung des diesjährigen Vortragscyklus habe ich mir erlaubt, darauf aufmerksam zu machen, dass wir auch heuer bestrebt sind, Ihnen Gelegenheit zu geben, Mittheilungen über die verschiedenartigsten Themata zu hören, die für das Judentbuim von Interesse sind. Ebenso wie der Gegenstand des letzten Vortrages, nämlich „Das galizische Massenelend", ein hinsichtlich der politischen und wirtschaftlichen Bedeutung höchst actuelles war, ist es auch das heutige Thema: „Der jüdische Kaufmann und die kaufmännische Ehre% da es uns nicht nur als Zeitgenossen lebhaft tangiert, sondern auch bedeutsame cultur-geschichtliche Rückblicke in sich schliesst. Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald aus Hamburg, nebst seiner beruflichen Gelehrsamkeit einer der grössten Kenner auf dem Gebiete jüdischer Volkskunde, den ich als unseren heutigen Redner hiermit auf das herzlichste begrüsse und dem ich vor allem unseren Dank dafür abstatte, dass er unserem Rufe so bereitwillig Folge geleistet hat, ist in unserer Stadt speciell für unsere Mitglieder kein Fremder, nachdem letztere schon wiederholt Gelegenheit hatten, Vorträge, die Dr. Grunwald hier mit so grossem Erfolge gehalten hat, zu hören. Seine hervorragende Kenntnis des jüdischen Volksthums und der Berufs-Auffassung bei Glaubensgenossen, ferner die Thatsache, dass er als moderner Mensch ein scharfer Beobachter der Tagesereignisse ist und mitten in einem ber grössten Handelsemporien wirkt, prädestinieren ihn wohl wie keinen anderen, über das Thema des heutigen Abends zu sprechen." Nunmehr ergreift, beifällig begrüsst, Herr Rabbiner Dr. Max Grunwald das Wort zu seinem Vortrage: „Der jüdische Kaufmann und die kaufmännische Ehre". Meine hochverehrten Damen und Herren! Für pöbelhafte antisemitische Beschimpfungen haben wir ja allgemach die Empfindung verloren. Die tägliche Wiederholung hat uns endlich dagegen abgestumpft und indifferent gemacht. Nur wenn wir Zeuge sind einer geradezu brutalen Beleidigung, dann zuckt es noch in uns, dann fahren wir auf. Ein Wiener Schriftsteller, von dem seine Freunde behaupten, der