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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 39

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 39 (sequence 39)
Language
German
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39 seiner Wohnung zu begeben. Omar, der davon erfahren hatte., liess den Unglücklichen vor sich bringen und ihm 1200 Stockschläge verabreichen. „Der Zustand Hamons ist hoffnungslos (sagt der Berichterstatter vom November 1899). Er ist nichtsdestoweniger nach Fez gekommen. Wir haben ihn gesehen. Sein zerschlagenes und zerfetztes Fleisch ist schwarz und eiterig geworden. Der Anblick des Unglücklichen ist herzzerreissend." In Oesterreich-Ungar n. In Galizien gibt es ungefähr 900 000 Juden. Ihre Noth ist unermesslich gross, wie in Russland, in Rumänien und anderen Ländern. Die meisten von ihnen sind Handwerker, die sich den geringeren Berufen widmen, die allmählich vor der grossen Industrie verschwinden. Im Westen sind die jüdischen Arbeiter in den Kohlengruben und Petroleumwerken beschäftigt, wo sie zwölf bis fünfzehn Mark wöchentlich verdienen. Das sind die höchsten Löhne; und wenn man auch die Billigkeit des Lebensunterhaltes und die durch die Verhältnisse bedingte Mässigkeit in Betracht zieht, so muss man doch gestehen, dass dieser Lohn kaum für die nöthigsten Bedürfnisse genügen kann. Wenn man noch die häufigen Arbeitseinstellungen in Betracht zieht, erkennt man bald, welche wirkliche Höhe das Einkommen dieser armen Arbeiter erreicht. Im östlichen Galizien herrscht nicht bloss Armut sondern direct Mangel. Dieses Land ist eine der ersten Etappen und zur selben Zeit einer der ersten Zufluchtsorte der russischen Emigranten gewesen. Man kann hier viele alte Frauen finden, die auf kleinen Besitzungen leben, wo sie mit einem Capital von ungefähr 5 Gulden türkischen Weizen anbauen. Man kann hier auch viele Familien finden, die sich mit zwei Gulden wöchentlich des Hungertodes erwehren. Wenn die Essensstunde kommt, herrscht eine feierliche Stille. Das Brot wird ganz genau vertheilt und nach Bissen bemessen. Wissen diese Menschen, die bis zur letzten Stufe des Elends herabgestiegen sind, dass wohlgenährte Leute vor einem Christus niederknieen, um sie zu hassen und zu verfluchen?3) 3) Nach Joseph Koervesi (die Hauptstadt Budapest im Jahre 1881) gibt es in Ungarn eine sehr zahlreiche Arbeiterbevölkerung. In Budapest allein sind von 10 000 Juden, 490 Schneider, 111 Lastträger, 57 Tapezierer, 125 Buchdrucker, 529 Tagelöhner usw. In Ungarn waren — und sind — wie in anderen Ländern die Juden nicht unbeschränkt in der Wahl ihres Berufes. Dies hat bewirkt, dass sie einige Berufsarten erobert haben und den Kaufleuten anderer Confessionen viel Concurrenz machen. Der legislative Apparat hat dazu beigetragen, den Juden zu dem zu machen, was er ist. In England. Nach dem „Bericht über den Umfang und die Wirkungen der letzten Einwanderungen in dem Vereinigten Königreich (1894)c beträgt die jüdische Bevölkerung in London ungefähr 80 000 Seelen.4) Charles Booth glaubt, dass die Bevölkerungsdichtigkeit im Judenviertel (Whitechapel, Mile End, St. George) die grösste im Osten ist, und dort etwa 227 Personen pro „Acre" beträgt. Jeder hat schon vom sweating System (Schwitzsystem) sprechen hören, ein Ausdruck, der drastisch genug ist, um die ungeheure Ausbeutung der Handarbeit zu bezeichnen. Soloweitschik hat ihn sehr gut wie folgt charakterisiert: 1. Unregelmässige Arbeit. 2. Uebertriebene Anzahl von Arbeitsstunden. 3. Hungerlöhne. 4. Gesundheitsschädlicher Zustand der Räume, in denen die Arbeit verrichtet wird. Dieses System findet man besonders in der Kleider- und Schuhwarenbranche. Nach dem Bericht der Handelskammer vom Jahre 1888 gab es 18 bis 20 000 jüdische Arbeiter, die unter diesem System arbeiteten. Die Zahl hat sich durch die «russischen und rumänischen Auswanderungen bedeutend erhöht.5) Wir lassen einige Nachrichten folgen, die einem dem Oberhause vorgelegten Berichte0) entnommen sind. Zuerst wird vom Schneidergewerbe gesprochen: Ein Augenzeuge erzählt, dass in einem 15x9 Fuss grossen Zimmer ein Ehepaar mit 6 Kinder schlief, und dass in demselben Räume 10 Männer arbeiteten, so dass, wenn die Nacht kam, dieses Zimmer 18 Personen beherbergte. Die jungen Mädchen schlafen mit den

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