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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 40

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 40 (sequence 40)
Language
German
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40 Männern in demselben Zimmer. In vielen Werkstätten befindet sich der Abort in demselben Räume. „Die Frauen sitzen nicEt weit davon in einer Ecke an einem riesigen Ofen, um die Plätteisen zu erhitzen. Hier herrscht die grösste Hitze im ganzen Zimmer. Der Anstand ist diesen Leuten ganz verloren gegangen, und kann man sieh denken, was die Folge solcher schmutzigen Verhältnisse ist. Soloweitschik hat in der Ohl Montague-Strasse einen Keller gesehen, in dem die Männer bis 2 Uhr morgens arbeiteten und in dem die Frau mit ihren drei Kindern schlief. Es herrschte eine stickige Luft in dem engen Räume, und die Arbeiter, die auf dem Schneidertisch sassen, konnten kaum die Augen aufhalten ... In den grossen Geschäften arbeiten die Männer 12 Stunden täglich, in den kleineren Werkstätten existiert eine Grenze für die Arbetszeit nicht. Es gibt Arbeitszeiten von 18—20 Stunden. Der officielle Bericht sagt aus, da»ss in einzelnen Fällen die Arbeiter 40 Stunden ohne jegliche Ruhepause thätig waren. Der Bischof von Bedford, R. G. Billing besuchte Arbeiter, die er um 2 Uhr morgens hei der Arbeit fand, und er fand sie noch bei derselben Arbeit im selben Zimmer um sieben Uhr früh am nächsten Tage. Nun kommt noch hinzua dass auf diese aufreibende und zerrüttende Thätigkeit oft lange Periode» ohne irgendwelche Beschäftigung folgen. Einmal ununterbrochene Thätigkeit, dann wieder gar keine Beschäftigung und kein Brot . . . Kommen wir nun auf die Löhne zu sprechen. Nach dem Berichte John Burnetts kann ein Schneider täglich 2,5—4 Shilling (Mark) verdienen. Eine Frau kann sogar sechs Sh. erwerben. Aber die Durchschnittslöhne sind viel niedriger und es kommt vor, dass sie nur 12 Sh. wöchentliche Einnahme hat. (Ch. Booth.) Für eine Jacke oder einen Rock, für den der Arbeiter vor einigen Jahren 2—3 Sh. erhielt, bekommt er jetzt nur noch höchstens 2 Sh. (Fünfter Bericht.) Für einen Mantel, für den man noch vor einigen Jahren 8 Sh. Arbeitslohn bezahlte, zahlt man jetzt höchstens noch 4 Sh. Eine Frau fertigt eine volständige Weste für 50 Pfg. an und sie kann deren nur vier täglich fertigstellen. Für ein Paar Beinkleider bezahlt man wenig mehr als 1 Sh. Ein geschickter Arbeiter kann 7 Sh. verdienen, wenn er 10 Stunden täglich arbeitet (Bericht der Handelskammer). Die Knopfmachei% meistens~ sind es Frauen, können bei zwölfstündiger Tagesarbeit 10—12 Sh. wöchentlich verdienen. A. White zeigte einen Rock, der mit 70 Pfg. bezahlt wurde und wovon bei fünfzehnstündiger täglicher Arbeit, der Sehneider vier herstellen konnte und also nicht einmal 3 Sh. verdiente. Von diesem Verdienst muss man noch 30 Pfg. für Knöpfe und 40 Pfg. für Plätten abziehen. (Fünfter Bericht.) Es gibt Frauen, die bei einer Tagesarbeit von 12 Stunden nur 1,5 Sh. täglich verdienen. 4) Soloweitschik schreibt: Nach den von mir angestellten Erhebungen gibt es im Ostend 100 000 Juden, von denen die meisten entweder unter dem sweating System oder als freie Leute arbeiten. 5) Sobald die Auswanderer ankommen, sind sie von Agenten umgeben, die ihnen ihre Dienste anbieten und sie nach Whitechapel führen. Man gibt ihnen dort zu essen und nachdem sie ausgeplündert sind, erhalten sie Arbeit unter dem sweating systein. Auf dieselbe Weise werden die Frauen ausgeplündert. Es gibt sogar einen Specialhandel, eine Gesellschaft, die gegründet worden ist, um jüdische Frauen aus Hamburg nach London zu verkaufen, von wo man sie nach Buenors-Aires und anderen Orten bringt. Soloweitschik behauptet, dass dieser Handel „fast" aufgehört hat. °) Fünfter Bericht über das sweating System der vom Ober hause gewählten Commission. (Fortsetzung folgt.)

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