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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 28

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 28 (sequence 28)
Language
German
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28 des 14jährigen Knaben Onofrius Czybulla. Der Leichnam war — wie in Könitz der Winters — gänzlich entkleidet, am Fundorte war — ebenso wie in Könitz — keine Blutspur zu entdecken. Am 1. Februar wurde der Lumpenhändler und Pferdeschlächter Hermann Josephsohn (jüdisch) wegen des Verdachtes der Thäterschaft oder mindestens der Mitwissenschaft am Morde verhaftet. Auch der jüdische Cantor Schächter ßlumenheim gerieth eine Zeitlang in Verdacht; er konnte aber sein Alibi vollständig beweisen. Bei den verschiedenen Haussuchungen aus Anlass des Falles war der Fleischermeister Josef Behrendt (katholisch) immer zugegen und hatte sich sehr auffällig benommen und einen grossen Eifer gezeigt, irgend einen der jüdischen Einwohner von Skurz in Mordverdacht zu bringen. Die Ermittlungen des Berliner Criminalcommissärs Höft führten zur Verhaftung Behrendts und Behrendt kam am ±2. April 1885 vor das Schwurgericht in Danzig. Der Staatsanwalt Dr. Preuss schilderte den Angeklagten Behrendt, der sich geweigert habe, die Leiche Czybulla s zu sehen, als einen rohen Mann, der zu mehreren Leuten geäussert habe, er könne mit ruhigem Blute einen Menschen schlachten, er (Behrendt) hat vielleicht die Mordthat nur deshalb ausgeführt, um den Juden zu schaden. Behrendt hasse die Juden sehr. Der Vertheidiger Behrendts, Rechtsanwalt Thurau, hob hervor, dass es der Staatsanwaltschaft nicht gelungen sei. auch nur einen Beweis für die wirkliche Thäterschaft des Angeklagten beizubringen, die Verdachtsmomente gegen Josephsohn seien schwerer, als die gegen Behrendt. Der Spruch der Geschwornen lautete auf Nichtschuldig (wie man später erfuhr, mit sechs gegen sechs Stimmen), Behrendt wurde freigesprochen und sofort aus der Haft entlassen. Er verzog bald nach Amerika, wo er 1876 schon einmal gewesen war. Jetzt wird nun der „Berliner Zeitung" erzählt, Behrendt sei vor kurzem in Minnesota gestorben, vor seinem Tode aber habe er, wie durch Verwandte einer Skurzer jüdischen Familie nach Deutschland berichtet wurde, eingestanden, dass er den Knaben Czybulla ermordet habe. Die Skurzer jüdische Familie sollte ihren Namen und sichere Bürgen für die Wahrheit dieser Meldung nennen. Das Blutmärchen in China. Eine junge Dame aus einer angesehenen Wiener Familie, die seit einiger Zeit mit ihrem Gatten in China, und zwar in Chesov, lebt, sendet der „N. Fr. Pr." sehr bemerkenswerte Mittheilungen über die Erfahrungen und Beobachtungen, die sie während ihres bisherigen Aufenthaltes in China gemacht hat. Zu ihrer nicht geringen üeberraschung entdeckte sie, dass auch bei den Chinesen das Blutmärchen vom Ritualmord verbreitet ist und Volksmassen in grosse Aufregung versetzt, nur mit dem Unterschiede, dass es in China gegen die Christen gerichtet und zur Schürung des Hasses der Bevölke-

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