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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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21 Wir aber gedenken heute, hochverehrter Herr, vor allem der ausserordentlichen Verdienste, die Sie sich um die „Oesterreichisch- Israelitische Union" und um die gesnmmte Judenschaft unseres Vaterlandes erworben haben. In ihren Rechten bedroht, in ihrer Ehre verletzt, in ihrer Existenz gefährdet haben unsere Glaubensgenossen in dem Rechtsschutz- und Abwehrbureau, dessen Errichtung Sie angeregt und dessen Führung Sie sich mit d^m Einsätze Ihrer vollen Persönlichkeit gewidmet haben, einen festen Rückhalt gefunden. Die reichen Erfahrungen, die Sie hierbei, namentlich in Bezug auf die traurige Lage unserer galizischen Glaubensbrüder, zu sammeln Gelegenheit hatten, haben Sie in der leitenden Stellung die Ihnen im galizischen Hilfsvereine zufiel, zu positiven Schöpfungen verwertet, welche die natürliche und nothwendige Ergänzung der von der„Oesterreichisch-Israelitischen Union4' geleisteten Defensivarbeit bilden. So stehen Sie, m der einen Hand das Schwert, in der andern die Kelle, abwehrend und aufbauend zugleich, trotz Ihrer 70 Jahre noch in vorderster Reihe, ein lebendiges Zeugnis für die Wahrheit des Dichterwortes : „M ensch sein, heisst ein Kämpfer sein'" Gott erhalte Sie uns in dieser regsamen Schaffensfreude, in dieser wehrhaften Rüstigkeit noch lange, lange Jahre. Sie dürfen von der erreichten Höhe auf ein Leben zurückblicken, das den erhabensten Zielen der Menschheit geweiht war, und der Wert dieses Lebens wird nur erhöht durch den vornehmen Stolz, mit dem Sie äussere Ehren und Würden verschmähten, um dafür die Liebe und Anerkennung der Edelsten und Besten zu ernten. Uns aber erfülle sich die Hoffnung, dass Sie uns noch ungezählte Jahre als Muster aller Bürgertugenden, als hochstrebender Mensch und darum auch als guter Jude voranleuchten werden. Wien, am 16. December 1901. Der Vorstand und Beirath der „Oesterr.-Israel. Union". (Folgen die Unterschriften.) Herr Sigmund Mayer antwortete darauf in längerer Rede, von der wir im Nachstehenden das Markanteste wiedergeben. Er sagte: „Meine Herren! Ich bin nicht ehrgeizig und strebe nicht nach Ehren und Auszeichnungen. Nichtsdestoweniger freut es mich recht sehr, dass Sie Veranlassung nehmen, meine bisherige öffentliche Thätigkeit in solenner Weise einer Anerkennung zu würdigen. Vielseitig war bisher mein Wirken und mein Schaffen, ob mit oder ohne Erfolg, sei dahingestellt. Nach einer Richtung hin aber weiss ich, dass mir ein volles Verdienst zur Seite steht, und dies besteht darin, dass ich es war, der die Spur auf den derzeitigen Präsidenten der „Union", den hochverehrten Sprecher, gelenkt hat und dass es meiner eigensten Intervention gelungen ist, denselben zur Annahme des schwierigen Amtes eines Präsidenten der „Union'- zu bewegen. Ich schätze mich glücklich, dass mir die Thatsachen rechtgeben, denn einen besseren Präsidenten hätte die „Union" nicht finden können, als diesen, der an die grossen Juden des Vormärz erinnert, die in Zeiten der grössten Judennoth sich mit ihrem ganzen Können und Vermögen für ihre bedrängten Glaubensbrüder eingesetzt haben. Es ist mein sehnlichster Wunsch, dass es mir beschieden sein möge, noch zumindest dreissig Jahre an seiner Seite wirken und arbeiten zu können." (Lebhafter Applaus.)

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