Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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19 Referate, die in ebenso staunenswerte]- Einfaeheit wie scharfer Sachkenntnis immer den Nagel auf den Kopf trafen, Haben nicht minder wie Ihre literarischen Arbeiten bezeichnenderweise selbst jene Kreise lebhaft interessiert, die sich sonst nicht mit gewerblichen Fragen beschäftigen. Was Sie diesbezüglich als Gemeinderath der Stadt Wien gesprochen haben, wird stets zu dem Besten gehören, was in der Wiener Gemeindestube gehört wurde. Unvergessen bleiben Ihre Artikel über die Umgestaltung der Donaustadt, und alle ihre Voraussagungen haben sich leider vollauf erfüllt, weil die auf Basis Ihrer grossen Städtekenntnis gemachten Vorschläge nicht befolgt wurden. War auch der Grund, welcher Sie bestimmte, auf das communale Ehrenamt zu verzichten, leider ein höchst beklagenswerter, so wäre es dennoch undankbar von Seite unserer Körperschaft, wenn wir demselben vom Standpunkte der „Union" aus nicht eine gute Seite abgewinnen wollten. Und wenn ich das eine hier zutreffende englische Sprichwort: „Every evil has its good" citiere, so fallen mir bei Betrachtung der Persönlichkeit des Jubilars unwillkürlich auch die bekannten englischen Worte ein: „Mens not meassures." Männer, keine Massnahmen. Und wahrlich, als ein ganzer Mann haben Sie sich damals in den Dienst der guten Sache gestellt, als man Sie bat, in den Ausschuss der „Oesterr.-Israel. Union" einzutreten, obwohl Sie unter Hinweis auf ein bereits geleistetes reiches Lebenswerk und auf jüngere Kräfte hätten beiseite bleiben können. Sie haben sich exponiert, Sie haben mit den ganzen Nachdruck Ihrer Persönlichkeit sich eingesetzt und sofort mit Ihrem praktischen und politischen Blick erkannt, dass es sich in der Judenfrage vor allem um den Schutz unserer Rechte handelt, welche überall mehr und mehr missachtet und verletzt werden. Denn nicht um theoretische, wenn auch gutgemeinte Abwehrbestrebungen, nicht um ein Zusammenfassen von Körperschaften, die, jede allein nur rituellen Wirkungskreis besitzend, auch in einer Gemeinschaft nicht mehr leisten können und dem Antisemitismus gegenüber machtlos bleiben müssen, handelt es sich, sondern um die thatsächliche rücksichtslose Verth eidigung der gsgen uns erhobenen nichtswürdigen Angriffe, wie sie das von Ihnen ins Leben gerufene Rechtsschutz bureau befolgt. Dass wir dank dieser Directive den richtigen Weg betreten haben, dafür spricht die Zustimmung, die wir täglich aus allen Theilen des Reiches erhalten, nicht minder wie jener grosse Zuwachs an Mitgliedern, den die „Union* seit Beginn der Rechtsschutzaction gewonnen hat. Sie vereinen eine seltene Mischung, Sie haben das Herz am richtigen Fleck, in nicht minderem Masse aber auch Klugheit und praktischen Sinn. Sie können das Wort des grossen Terenz: „Humani nihil a me alienum puto" voll für sich in Anspruch nehmen, ebenso wie wir die Worte auf Sie anwenden, die Schiller geprägt hat: „Stets war sein Blick auf das Ganze gerichtet." Gestatten Sie mir nebst unserem tiefgefühlten Dank Ihnen mittelst einiger weniger Worte noch zu sagen, warum gerade die „Oesterr.- Israel. Union" es als eine besondere Genugthuung empfindet, dass Sie in ihr mitgewirkt haben. Sie sagten mir einmal unter Hinweis auf den Beginn der antisemitischen Bewegung und Ihren dadurch begründeten Eintritt in unsere Körperschaft, dass Sie ein alter Mann geworden waren, bevor Sie merkten, dass Sie Jude seien. Wenn Sie sich nun als alter Mann fühlten, als Sie in unsere Reihen traten, dann hat Ihre hingebungsvolle Thätigkeit bei der „Union" bewirkt, dass letztere zum Jungbrunnen für Sie wurde. Wohl gehe ich nicht fehl, wenn ich es so deute, dass Sie diese Jugendkraft im Kampfe für unsere Glaubensgenossen gewannen, weil all jene Eindrücke aus Ihrer Jugendzeit wieder wach wurden, in welcher der Keim zu jener unvergänglichen Liebe für das Judenthum Relegt wurde, dem wir mit allen Fasern unserer Herzen immer ergeben bleiben und für welches, wenn die Pflicht ruft, wir stets