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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 15

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 15 (sequence 15)
Language
German
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15 Schwierigkeiten bereiten wird, aber ich bestreite die Unmöglichkeit, ich bestreite, dass es mit so ungeheuren Kosten verbunden sein sollte. Es ist möglich, wenn wir es in der Form der jüdischen Siedlungsgenossenschaft einrichten, wie von dem bekannten Nationalökonomen Dr. Franz Oppen heim er empfohlen wird. An diese würde sich die jüdische Industrie anschlössen, die jüdischen Consumvereine und durch sie die anderen Gebiete. Dann wäre der Ring geschlossen. Ich will aber an heutiger Stelle nicht näher darauf eingehenglaube indes die Ueberzeugung aussprechen zu können, dass ich mich in Uebereinstimmung mit dem galizischen Hilfsverein befinde, wenn er sich ständig vor Augen hält, die Landwirtschaft unter den Juden einzuführen. Das blosse Dasein dieses Vereines, selbst wenn er noch nichts geleistet hätte, würde ich für den Anbruch einer neuen Epoche der Judenheit aller Länder erklären. Damit wären die Mittel erschöpft, welche vorzuschlagen sind. Allerdings ist es sehr leicht, vom grünen Tische aus die Mittel und Wege anzugeben, die nothwendig sind, um eine Bevölkerung zu heben; anders ist es, sie wirklich in diese Wege zu leiten. Iliezu, meine Herren, gehören vor allem drei Factoren: Jüdisches Geld, jüdische Intelligenz und jüdischer Enthusiasmus. Alle drei müssen gemeinsam vorhanden sein und das Fehlen eines von ihnen würde das Werk unmöglich macheu. Unauslöschliche Verdienste hat sich der galizische Hilfsverein erworben, dass er es übernommen, diese drei Factoren in d<m Dienst der Sache zu stellen. Zum erstenmale in der Geschichte der Judenheit sehen wir einen Verein entstehen, der zwei Ziele zugleich verfolgt : nicht etwa der augenblicklichen Nothlage zu steuern, sondern eine grundlegende Wandlung einzuführen und hiefür die gesammte Judenheit zu interessieren. Im Jahre 1883 konnte ein bekannter Schriftsteller schreiben: „Wenn gesagt worden ist, (dass bei Pressburg die Grenze liege zwischen Asien und Europa, so kann, soweit derartige Paradoxien überhaupt zulässig sind, zugefügt werden, dass dort die Grenze liege zwischen den europäischen und asiatischen Juden. Man versuche es einmal, engere Beziehungen herauszufinden zwischen einem Wiener Finanzbaron und einem Ostgalizianer. Man wird erkennen, dass da ein so grosser Unterschied besteht, wie zwischen der katholischen Geistlichkeit und der protestantischen." Meine Damen und Herren! Dieser Ausspruch bestand damals vielleicht zu recht und erfuhr damals kaum irgend welchen Widerspruch. Heute, kaum 20 Jahre später, ist er schon ganz unzutreffend, denn die Unterschiede beginnen zu schwinden, die Kluft wird überbrückt, eine Verständigung wird gleich sehnlich erstrebt. Diese Erscheinung ist höchst seltsam. Was hat diesen Umschwung in so kurzer Zeit herbeigeführt? Was ist das einigende Band zwischen den Juden des Westens und jenen des Ostens? Es ist hier nicht der Ort und die Zeit, darauf genau einzugehen, nur das Eine möchte ich sagen, das einen grossen Theil der Erklärung in sich schliesst: „Nicht die Liebe, sondern der Hass Hamans hält die Juden zusammen!"

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