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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 14

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 14 (sequence 14)
Language
German
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M jüdischen Bevölkerung aufzuhelfen. Ich erinnere vor allen Dingen an die geradezu märchenhaften Erfolge, welche die junge Schöpfung der Prager Vorschusscasse erzielt hat, wo innerhalb weniger Monate aus micht besonders bemittelten Kreisen eine Casse ins Leben gerufen wurde, welche nach den mir vorliegenden Daten schon binnen weniger Wochen über 20 000 K verfügte, und als dieses Geld ausgegeben war, erhielt sie nochmals 20 000 K geliehen. Sie hat sich gegenüber den ungünstigen Verhältnissen, welche heute im Bankwesen bestehen, ausserordentlich günstig entwickelt. Die Mitgliederzahl betrug Ende October, nach anderthalb Jahren, 505 mit einem Capitale von 48 000 K. Auf diese Art ist es erreicht worden, dass thatsächlich dort zahlreichen Familien Hilfe geleistet wurde und ich möchte jedem, der sich für die Sache interessiert, rathen, sich speciell mit dieser Prager Vorschusscasse- Frage näher zu beschäftigen. Als letzes Mittel im augenblicklichen Rahmen möchte ich die Errichtung jüdischer Consumvereine empfehlen, als Gegenstück gegen die antisemitischen Koäka rolnice, und weil nichts so sehr die Solidarität unter den Juden stärkt, wie die Genossenschaften. Welche Schmach ist es, wenn wir wissen, dass unter den Rumänen und Rutheaen, ja unter den Huzulen Raiffeisen-Cassen, Creditgenossenschaften etc. bestehen und unter den Juden keine. Diese Consumvereine sind ein bedeutendes Mittel zur Lösung der heutigen Frage. Meine Damen und Herren! Sie haben aus der Ankündigung des heutigen Themas ersehen, dass ich die Stellung eines Generalsecretärs bekleide in dem Deutschen Verein zur Förderung der Bodencultur unter den Juden Deutschlands. Sie werden mir es infolge dessen nicht übel nehmen, wenn ich noch eine kurze Zeit auf diesem Gebiete verweile und meine specielle Ansicht über diese Frage in wenigen Worten zusammenfasse. » Der Herr Vorsitzende war so freundlich, in seinen einleitenden Worten darauf hinzuweisen,so dass sie hiedurch vielleicht geklärt werden könnte. Von vornherein möchte ich betonen, dass ich mich in keinerlei Widerspruch mit dem galizischen Hilfsverein befinde, denn er selbst hat unter § 4 seines Statuts die Errichtung, Hebung und Förderung von Landwirtschaften aufgezeichnet und empfohlen. Der Unterschied besteht vielleicht nur darin, dass ich glaube, dass die Landwirtschaft überhaupt die Qrundlage sein müsste und sein sollte, dass, wenn die Juden Bauern werden, sich dann viel leichter ein jüdischer Handwerker und Kaufmannsstand daran angliedern würde. Dort, wo die Juden in der TJrproduction auftreten, werden sie wirklich auf festem Boden stehen. Es sind manigfache Einwendungen dagegen vorgebracht worden. Es ist von mir in meinen Artikeln, die ich im Jänner 1900 in der „Oesterreichischen Wochenschrift" veröffentlichte und von denen ich einige Abdrücke mitgebracht habe, die von jenen, die sich für die Frage interessieren, im Bureau des galizischen Hilfsvereines in Empfang genommen werden können, es ist von mir genau ausgeführt worden, wie ich es glaube, dass die galizische Judenheit zur Landwirtschaft übergeführt werden kann. Ich gebe zu, dass es ungeheuer schwierig ist, ich gebe zu, dass der polnische Adel grosse

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