Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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und anderseits jene Thätigkeit, welche einen weiteren Gesichtspunkt im Auge hat und die eine dauernde Sanierung der Verhältnisse anstrebt. Von den drei Gebieten menschlicher Thätigkeit, Handel, Industrie und Landwirtschaft scheidet erstere selbstverständlich aus, denn aus dem Handel sollen sie gerade herausgenommen werden. Ks bleiben also nur Industrie und Landwirtschaft. Der Industrie, präciser gesagt, der Hausindustrie, können die Menschen in Galizien mit geringen Kosten zugeführt werden. Verhältnismässig leicht sind die hiezu erforderlichen technischen Fähigkeiten zu erwerben; das hat auch der neubegründete galizische Hilfsverein erkannt und hat die Haarnetäarbeit eingeführt, wodurch er 700 Frauen und Mädchen Arbeit sicherte. Das ist ein schöner und vielversprechender Anfang. Es gibt noch viele derartige Hausindustrien, z. B. die Korbflechterei, Bürstenbinderei oder Cartonnagewaren-Erzeugung, welche Gewerbe den Vortheil haben, dass sie mit einer gewissen Handgeschicklichkeit auch Sauberkeit und Genauigkeit erfordern. Die Hausindustrien sind also leicht einzuführen, gewähren der Bevölkerung Erwerb und sind infolge dessen zu empfehlen. Dennoch möchte ich von meinem Standpunkte aus nicht versäumen, auf die Gefahren hinzuweisen, welche die Hausindustrien einfür allemale an sich haben. Es ist dies die mit der Hausindustrie unauflösbar verknüpfte Heimarbeit der Kinder. Wer die1 Verhältnisse in den thüringischen Spielwarenfabriken kennt, wo die Kinder im Alter von vier Jahren angehalten werden, die Spielzeuge, welche die reicheren Kinder bekommen, zu bekleiden, und so an dem Erwerb der Familie theilnehmen müssen, der wird sagen, dass doch nicht alles an der Hausindustrie empfehlenswert ist. Wenn man ferner in Erwägung zieht, dass sie auch von der Mode abhängig ist, dass sie von der consumkräftigen Bevölkerung des Landes abhängig ist, so mag ein gelinder Zweifel einen beschleichen, ob dies wirklich das erlösende Mittel ist. Aber es hat auch keiner gesagt, dass es das einzige Mittel wäre. Es sind neben der Hausindustrie noch massenhaft andere Wege. Kur als einen, welcher am leichtesten einzuschlagen ist, hat ihn der galizische Hilfsverein gewählt und darum ist ihm Dank zu spenden. Trotz aller Schäden, die sich zweifellos herausstellen werden, ist es doch empfehlenswert, die Hausindustrie einzuführen, denn schlimmer wie heute kann es überhaupt nicht mehr werden. Ein zweites Mittel ist die Belebung und Förderung des Handwerkes. Wer da weiss, wie ungelenk die meisten jüdischen Handwerker sind, der wird dies zugeben. Um den wirtschaftlichen Leben Rückgrat zu geben, sollten vor allen Dingen Spar- und Vorsehe,sseassen eingerichtet werden. Diese Gassen sind es, welche dem Manne Selbstvertrauen geben. Man ahnt es nicht, .wenn man sich nicht mit der Frage beschäftigt hat, mit wie geringen Geldmitteln hunderte von Familien erhalten werden können. Wenn man weiss, dass das Beiriebseapital eines Gärtners, beziehungsweise eines Gemüsehändlers in Galizien nicht mehr beträgt wie 2 fl., und dass wegen Mangel dieser 2 11. die Familie zugrunde geht, dann wird man sagen, dass die Vorseimsscassen unendlichen Nutzen bringen können. Mit sehr geringem Gel de ist dem Handel und Wandel der ganzen