Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
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12 von der Hirsch-Stiftung eingerichteten Schulen bemängeln möchte. Im Gegentheile, ich wünsche und hoffe, dass noch viele andere dieser Schulen begründet werden, denn sie sind es, die den Kindern den Aberglauben aus den Gehirnen treiben, die ihnen Selbstgefühl nud Selbstachtung einprägen, sie sind es, die sie vorbereiten für den schweren Kampf ums Dasein und ihnen die Mittel hiefür an die Hand geben. Wer die Geschichte dieser Schulen kennt, der weiss, mit welchem Hass und Verachtung man ihnen entgegengetreten ist, wie man sie als Brutstätte des Aberglaubens bezeichnet' hat. Aber dieses Verhältnis hat sich günstig geändert, man wünscht sich in Orten, wo keine solche Schulen bestehen, solche herbei. Sicher ist es die dringendste Notwendigkeit, derartige Schulen einzuführen, aber man sollte nicht glauben, mit der Errichtung dieser Schulen alles geleistet zu haben. Drängender als all dies ist die wirtschaftliche Hebung der heutigen Bevölkerung. Aber bevor ich darauf eingehe, möchte ich doch erwähnen, dass auch die Erziehung an der erwachsenen Generation einzusetzen hat und nicht vergessen werden darf. Wenn wir hören, welche unglaublichen Zustände der Unwissenheit auf manchen Gebieten noch bestehen, welch gefährliche Vorurtheile unter der galizischen Judenheit verbreitet sind, dann müssen wir gestehen, dass vor allen Dingen Belehrung einzugreifen hat. Was soll man sagen, wenn man hört, dass vielfach der Glaube verbreitet ist, das Ungeziefer beweise die Gesundheit? Dass Hautausschläge gesund seien und nicht vertrieben werden dürfen, und wenn man endlich vernimmt, dass man es für eine Versündigung hält, den Kindern im ersten Lebensjahre den Kopf zu waschen! (Bewegung.) Da gehört Aufklärung und Licht hinein! Aber mindestens ebensoschlimm ist der L^mstand, dass die Frauen und Mädchen es nicht verstehen, Strümpfe zu stricken und Kleider zu nähen. Was nützt alle Vertheilung von Kleidungsstücken, wenn sie nach wenigen Monaten nur mehr Fetzen sind! Das ist keine rechte Wohlthätigkeit; aber eine einzige Lehrerin hingeschickt und den jüdischen Frauen und Mädchen gezeigt, wie man Strümpfe stopft, das ist Wohlthätigkeit. Und ebenso steht es in Bezug auf das Kochen. Die Frau versteht es nicht, das einfachste Gericht zuzubereiten; da ist es vor allen Dingen nothwendig, dass Haushaltungsschulen begründet werden. Noch auf ein drittes möchte ich kommen. Zu den wichtigsten Mitteln, welche zur Stärkung der galizischen Judenheit und Verbesserung ihrer Zustände beitragen, gehört die Stärkung des Körpers, welche nur durch Gründung jüdischer Turnvereine zu erzielen ist. Der galizisehe Jude gehört in diese Turnvereine,, welche den Körper stärken und stählen. Alles dies ist nothwendig, alles dies ist unerlässlich, aber es reicht nicht an die wirtschaftliche Hebung heran. Diese ist und bleibt die Hauptsache. Erst müssen wir den Leuten die Möglichkeit schaffen, ihre Wohnungen rein und sauber zu erhalten, ihren Körpern Nahrung zu geben, dann .kommt auch Licht in die Köpfe. Zwei Thätigkeiten müssen wir also unterscheiden. Diejenige Thätigkeit, welche der heutigen momentanen Xoth abhelfen soll und welche heute schon die Zukunft der jüdischen Bevölkerung sichern will,