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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1902-01-01 · 1 (1.1902) · p. Seite 8

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
14 (1902)
Issue
1 (1.1902)
Date
1902-01-01
Page
Seite 8 (sequence 8)
Language
German
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Armen Dumpfheit hervorgebracht und in den Reichen Grausamkeit und Hartherzigkeit, und es ist interessant, dass man ursächlich diese. Erscheinung verfolgen kann. Als in den Vierziger jähren des IT. Jahrhunderts jener gewaltige Aufstand der Kosaken unter der Führung Winickis ausbrach und die Kosaken von der Ukraine aus raubend und plündernd, sengend und mordend in das Herz Polens vordrangen, in der gleichen Weise eifernd gegen die drei ausbeutenden Stände, Adel, Glems und Juden, da fielen tausende und abertausende von Juden dieser Metzelei anheim, und den anderen wurde das Vermögen genommen. Xur Avenigen Juden gelang es, ihr Besitzthum zu retten. Seit jener Zeit besteht unter den Juden eine Aristokratie und ein Proletariat. Den reichen Juden wurden die Steuern verpachtet vom Adel; darunter waren solche, welche speciell den Juden auferlegt waren, unter anderem die Steuer auf die Lichter, welche Freitag und Sonnabend in den Häusern der Juden brennen, und da kam es häufig vor, dass der reiche jüdische Steuerpächter Freitag abends die jüdischen Steuerexecutoren in die Häuser der armen Juden sandte und diesen nehmen Hess, was sie fanden, selbst die Kleider der kleinen Kinder. Die bei solchen Gelegenheiten von Juden gegen Juden verübten Grausamkeiten spotten jeder Beschreibung. Andererseits der Einfluss, welcher durch das Einsperren ins Ghetto ausgeübt wurde auf die religiöse Entwicklung. Ausgeschlossen von jeder Cultur, musste sich der Jude naturgemäss auf das Studium des Gesetzes beschränken, und wTie er es verstanden hat, das Gesetz auszulegen, wie er es verstanden hat, um das Gesetz einen Zaun zu ziehen, und es auf die kleinste und gleichgültigste Handlung des Alltages anzuwenden, das wissen wir wahrlich alle gut genug. Auf diese Weise lastete auf ihnen ein ungeheurer Schwall von Gesetzen, eine Masse, welche das Leben verbitterte und verdüsterte, welche den Gesichtskreis einengte. Ich erinnere ferner an jene zahlreichen hygienischen Vorschriften des alten Testamentes, welche unter dieser Behandlung geradezu schädlich wirkten und zahlreiche Vergiftungscentren schufen, weil sie dem Buchstaben nach angewandt wurden. Und so ward Vernunft Laisinn, Wohlthat Plage, als dann jene Eevolution des jüdischen Gemüthes auftrat, d. h. als Frank begann, sein Wirken auszuüben, jene Bewegung, die so unendlich naiv und rein, so echt jüdisch-optimistisch war, da glaubte man hoffen zu dürfen, dass eine neue freiere Bewegung unter den Juden platzgreifen werde. Aber weit gefehlt! Unter dem Drucke, der auf ihnen lastete, konnten sie sich nicht entwickeln und jene Bewegung wurde geführt von jenem grossesn Aberglauben, den wir heute herrschen sehen, von jenen jüdischen Bonzen, die da leben von den Geschenken der Armen, die sie absichtlich in Unwissenheit erhalten, jenen Feinden aller und jeder Cultur. Das waren die Einflüsse innerhalb der jüdischen Gemeinschaft, welche besonders durch das Einwirken des Adels und der Kirche ausgeübt wurden. Ich gehe jetzt zu dem wirtschaftlichen Elend über. Die Juden machen den 9. Theil der Bevölkerung Galiziens aus und gehören, soweit sie nicht Bettler sind, dem Handels- und Gewerbestande an. Galizien ist selbst ein armes Land, 80 Percent der Be-

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