Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 14 (1902)
- Issue
- 1 (1.1902)
- Date
- 1902-01-01
- Page
- Seite 4 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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4 \ i einer Völkerwanderung sich hatten, wohin sie König Kasir liehen Lage des Landes und zur Bildung Handelsstandes berief. Wohl dünkt heutigen Nachkommen jener freiwilligen Ir Schuld auf eine so tiefe culturelle Stufe Gründe hierfür, die wahrlich nicht bei von Deutschland nach Polen begeben ir der Grosse zur Hebung der wirtschaftdps dort gänzlich fehlenden uns unglaublich, dass die migranten durch ihre eigene gekommen sein sollten. Die unseren Glaubensgenossen, weder früher noeh jetzt, zu sueben sind, will ich nicht erörtern, da ich dem verehrten Wie inmer es galizische reichische, mangels eines und angesichts Herrn Redner über dieses Thema nicht vorgreifen will, auch gekommen sein möge, Thatsache i.^t, dass die Frage zur brennendsten für uns österspeciell Wiener Juden, geworden ist, denn Erwerbes in ihrem wirtschaftlich armen Heimatslande des (Jmstandes, dass eine Grossstadt mit ihrem grossentwickelten Handel und ihrer Industrie noch immer den relativ sichersten und dauerndsten Erwerb in Aussicht stellt, strömen die galizischen Juden in erster Linie in die einzige Grossstadt der Monarchie, nämlich nach Wien. War es im Vorjahre die rumänische Judenfrage, die sich anscheinend als die brennendste und traurigste präsentierte und die leider ihre Lösung noch immer nicht gefunden hat, so ist jetzt das galizische Massenelend in ein acutes Stadium getreten. Wir dürfen uns keinem Zweifel hingeben, dass wir urst am Anfange einer Bewegung stehen, die unsere bedauernswerten galizischen Glaubensgenossen continuierlich und wachsend westwärts, speciell aber nach Wien, zieht, eine Bewegung, derenConsequenzen geradezu unabsehbar sein werden, wennwir nicht mit allen Mitteln der Opferwilligkeit, der Erfahrung und Ausdauer den Hebel am richtigen Punkte ansetzen. Von dieser Ueberzeugung geleitet wurde schon vor längerer Zeit von der „Oesterr. - Israel. Union44 eine Enquete berufen, welche den Zweck hatte, sich mit der galizischen Frage eingehend zu befassen, und über die Mittel zur Steuerung des Uebels schlüssig zu werden. In jener Enquete wurden so manche Anregungen wertvoller Natur gegeben, vom Gedanken bis zur That war jedoch ein weiter Schritt. Diesen letzteren wirksam ins Leben gerufen zu haben, ist das unvergängliche und unbestreitbare Verdienst der rBnei B r i t h"-L o g e n, speciell der Loge in Wien, deren verehrten Präsidenten sammt zahlreichen Mitgliedern ich heute hier zu begrüssen die Ehre habe. Es ist mir ein Bedürfnis, von dieser Stelle aus dem Danke Ausdruck zu geben, welchen wir jener in ihrer Opferwilligkeit uns allen voranleuchtenden Körperschaft schuldig sind, und umsomehr fühle ich mich selbst hierzu verpflichtet, als es mir vergönnt war, gleihhzeitig in jener durch die genannte Körperschaft geschaffenen Vereinigung wirken zu dürfen, die sich in diesem Jahre zu praktischer Arbeit constituiert hat. Im März d. J. wurde der galizische Hilfsverein gegründet, welcher seine Thätigkeit vor allem der wirtschaftlichen Hebung unserer galizischen Glaubensgenossen zuzuwenden bestrebt ist und Arbeitsgelegenheit in jeder halbwegs möglichen Form schaffen will. Mit gar manchem oft utopischen Projecte hat sich der Vereins-Ausschuss im Laufe seiner erst halbjährigen Thätigkeit befassen müssen. Wir glauben aber, nicht ohne eine gewisse Befriedigung schon auf diese kurze Spanne zurückblicken zu können, da hierdurch nicht nur die Ansätze für ein grössere .Erfolge versprechendes Programm geschaffen wurden, sondern weil wir in dieser kurzen Epoche auch zur Erkenntnis gekommen sind, dass die von vielen Seiten negierte Arbeitswilligkeit unserer galizischen Glaubensgenossen in grossem Masse vorhanden ist. Das galizische Elend präsentiert sich in so verschiedenen Gestalten, die Formen, mittelst welchem demselben begegnet werden muss, sind so schwierig, dass es langer Vorstudien bedarf, um dieselben nur halbwegs beurtheilen zu können. Vor allem mussten wir