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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-12-01 · 12 (12.1901) · p. Seite 21

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
12 (12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 21 (sequence 21)
Language
German
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thuung verschaffen. Ein Aufruhr fand letzthin in Jassy statt. Doch wurde er auf die Bitten und Vorstellungen Astrucs hin noch einmal beigelegt. „Die Zahl der in diesem Jahre erbauten Hauser/ schreibt dieser Correspondent am 10. Juni von Jassy aus, „ist geradj lünf gewesen, und dabei zählt man an diesem Orte mehr als 5000 jüdische Maurer und Zimmerleute. Das Gesetz scheint dazu da zu sein, um 1000 jüdische Arbeiter aus den Werkstätten und Fabriken zu vertreiben...; hunderte von jungen Mädchen fallen der Prostitution anheim, weil sie nicht Hungers sterben wollen. Zahllose junge Männer sprechen davon, den Glauben ihrer Vorfahren zu verlassen, um sich eine Existenz gründen zu können." Ein Theii des jüdischen Proletariates wendet sich gegenwärtig dem Socia ismus und selbst dem Anarchismus zu. Drumont selbst würde nicht wagen, sie deshalb zu tadein.***) Besonders in Jas^y und im Moldau-Bezirke gibt es viel socialistische Arbeiter. (Leonty Soloweitschik: „Ein verkanntes Proletariat/) Das ist in wenig Worten die Lage der armen Juden in Rumänien. In Russland. Das für eine bestimmte Zeit erlassene Gesetz vom 3. Mai 1882, das den Juden untersagt, sich in den Städten bestimmter Grenzbezirke („Territorium") niederzulassen, ländliches Besitzthum zu erwerben oder zu verwalten, ist die Ursache vieler Auswanderungen und des Ruins von hunderttausenden von Juden geworden. Es hat das Elend der jüdischen Bevölkerung bedeutend vermehrt indem es die Millionen von Armen in enge Grenzen, die sie nicht fassen konnten, zusammenpferchte. Man schätzt die Zahl der russischen Jnden auf 5,700.000. L e r o y- Beaulien schrieb im „Journal des Debats" am 15. August 1890: „Unter allen Einwohnern des weiten Russlands habe ich keine elenderen gefunden, als diese abgezehrten Juden in langen Röcken und hohen Stiefeln, die ohne Rast die Strassen durchqueren auf der Suche nach irgendwelcher Beschädigung Man spricht heutzutage viel von der Erhebung des Proletariates und von socialer Befreiung. Ich kann versichern, dass es in ganz Europa nichts Armse igeres gibt, niemanden, der mit mehr Mühe sein Roggenbrot e werben muss, als 90 Percent der russischen Juden." Wir wollen zeigen, dass dieses Urtheil nicht übertrieben ist. Die mittleren Löhne im „Territorium" können als Hungerlöhne betrachtet werden. Die guten Löhne, sowohl in den Fabriken, als auch in den Werkstätten, überschreiten nicht 3l/2—4 Rubel per Woche. Am häufigsten zahlt man 272—3 Rubel. Die niedrigsten Löhne betragen Vj2—2 Rubel per Woche. Die Frauen und jungen Mädchen verdienen selten mehr als 6—8 Rubel monatlich, gewöhnlich nur 3 —4 Rubel, oft sogar nur Vj2 Rubel. Um genau zu sein, müssen wir sagen, dass in einzelnen kleinen Orten gewisse blühende Industriezweige der eingeborenen Bevölkerung Wohlstand und ein angenehmes Leben geschaffen haben. Aber diese Beispiele sind selten. Die niedrigen Löhne herrschen vor. In Baita überschreiten die Wochenlöhne nicht 2 Rubel. In Vranew am Dniepr sind unter 10.000 Einwohnern 1500 Juden. Hier erreichen die Monatslöhne nur die Höhe von 772 Rubel. Aber es gibt noch traurigere Zustände. Die Weber von Dubrowno erhalten für eine tägliche Arbeit von zwanzig Stunden 75 Kopeken oder 1 Rubel wöchentlich, und damit sollen sie eine Familie von 6—8 Personen ernähren. Sie sind ungefähr 4000 Mann stark, und da die Tage, an denen geleiert wird, nicht selten sind, müssen sie noch diese Hungerlöhne entbehren ... Die Classe der kleinen Handelsleute ist in keiner besseren Lage. In Elisabetgrad, in Mohilew-Podolsk, in Minsk, in Wilna sind die kleinen jüdischen Krämer zufrieden, wenn sie 2 bis 2V2 Rubel in der Woche verdienen. Man kann in Elisabetgrad, in Odessa alte Bretterbuden finden, in denen ***) Drumont iDt fast der einzige gewesen, der die Jüdin Goldmann, die angeblich C z o 1 g o s z inspiriert haben soll, vertheidigt hat.

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