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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-12-01 · 12 (12.1901) · p. Seite 20

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
12 (12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 20 (sequence 20)
Language
German
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— 20 — Worten zuhören, ohne etwas zu verstehen, und die Thränen vergiessen, wenn sie einen Laib Brot erhalten. Kommt man in den Keller hinab, wo an den Mauern das Wasser herabsickert, wo die Athmung unmöglich scheint, wo die Atmosphäre dumpf und stinkend ist, so muss man sich der Thränen erwehren beim Anblick der zahlreichen Kinder, die zu verschiedenen Familien gehören und die nur mit einem einfachen erdfarbenen Hemd bekleidet sind, magere, durchscheinende, fast leblose Geschöpfe, die fortwährend jammern und klagen und sich erst beruhigen, wenn sie ein Stück Brot in ihren Fingern fühlen." Kürzlich noch schrieb Herr A s t r u c, der von der Alliance mit der Vertheiiung der Hilfsgelder beauftragt worden war, über Lespezi: „Es ist eine armselige Stadt und fast ausschliesslich von Juden bewohnt. Man sieht hier nur Schattenbilder von Menschen, die die Gassen der Länge und Quere nach durchmessen. Welchen anderen Beruf, als Schneider, Schuhmacher und Flickschuster sollen 2500 Juden in einem kleinen Orte ergreifen, wo weder Handel, noch Industrie, noch Ackerbau getrieben wird. Es ist ein wissenschaftliches Problem, wie so viel Hungerleider, die sich doch gegenseitig so viel Concurrenz machen, überhaupt bestehen können. Fragt mich nicht darnach, worin die Nahrung aller dieser Familien besteht: Aus Brot und Maismetdbrei, aus Maismehlbrei und Brot. Das ist die gewöhnliche Speisekarte der Unglücklichen." (Bericht der „Alliance Israelite", Mai-Juni 1901.) Von der geheimnisvollen angeblichen Solidarität der Juden handelt folgender Satz : „Die Concurrenz, die die Juden sich gegenseitig in Lespezi, in Frumosica, in Burdujeni und in Stefanesti machen, ist verhängnisvoll. Arbeit fehlt und das daraus sich ergebende Unheil ist nicht zu schildern. Man kann sich ein Bild von dem Stande der Löhne machen, wenn ich sage, dass in den vorerwähnten Städten ein Arbeiter sich glücklich schätzte, wenn er für 4 bis 5 Francs Wochenlohn überhaupt Arbeit bekam." In Botosani sind von 17.000 Juden 15.000 aus Mangel an Arbeit zum Betteln gezwungen. Eine Volksküche, die von der Alliance eingerichtet wurde, reicht lange nicht für die Zahl der Bedürftigen aus. Vom December 1900 bis April 1901 sind mehr als 50.000 Gratisportionen und mehr als 35.000 bezahlte Portionen vertheilt worden. Hier folgt eine ku ze Uebersicht über die Summen, die dem Hilfscomite in Botosani übergeben wurden : 27. November 1900. Für Küche und Unterstützungen...... 3000 Mk. 27. November 1900. Für Schuhwerk............. 100 „ 27. November 1900. Dem Frauen-Verein........... 100 „ 27. November 1900. Vorschüsse............... 400 „ 27. November 1900. Medicamente.............. 250 „ 27. November 1900. Dem Hospital „Filantropia*........ 1000 „ 8. December 1900. Für Küche und Unterstützungen..... 2500 „ 8. December 1900. Dem jüdischen Hospital......... 2000 „ 21. December 1900. Verschiedenes.............. 100 „ 8. Jänner 1901. Für Küche, Unterstützungen und Holz . . . 3000 „ 8. Februar 1901. Küche.................. 1800 „ 5. März 1901. Medicamente............... 120 „ 27. März 1901. Für Küche und Mieten.......... 5000 „ 18. April 1901. Dem Hospital.............. 1000 „ 14. Mai 1901. Für Küche und verschiedene Unterstützungen 5700 Summe 26.070 Mk. Wir können aus Mangel an Raum nicht alle Ausgaben anführen. Während diese Parias die Opfer nicht allein der wirtschaftlichen Krisis, sondern auch der Gesetze, der Boykottierung und des Exils sind, hetzen die rumänischen Professoren die antisemitischen Studierenden auf, indem sie in ihren Vorlesungen von jüdischen „Blutsaugern" und „Viperntf sprechen. £s kommt auch, allerdings sehr selten, vor, dass die jüdischen Proletarier an Empörung denken. Man ist sogar überrascht, dass alle diese Hungerleider, die von Elend und Jammer niedergedrückt werden, die keine Hoffnung auf ein besseres Los haben und die der Mildthätigkeit der Alliance überlassen sind, sich nicht durch eine individuelle oder gemeinsame Empörung Genug-

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