Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 12 (12.1901)
- Date
- 1901-12-01
- Page
- Seite 18 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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^euilletot)* Das jüdische Weltproletariat/) Als wir diese Abhandlung begannen, wussten wir, dass es arme Juden gab; dass diese Juden über ganz Europa, Amerika und einen kleinen Theil Afrikas verbreitet waren; dass sie hauptsächlich nach der Neuen Welt auswanderten und dass mau in gewissen Ländern Ausnahmegesetze gegen sie erlassen hatte. Nichtsdestoweniger hatten wir das Recht, jenen Behauptungen und Erzählungen, die auf die Juden, die der Gegenstand eines besonderen Hasses sind, sich beziehen, Misstranen entgegen zu bringen. Der antisemitische Hass musste eine entgegengesetzte Wirkung hervorbringen und eher Mitleid o ler sogar Bewunderung erregen. Nun, wir müssen sagen, dass wir, nachdem wir die Frage sehr aufmerksam geprüft haben, nachdem wir die amtlichen Schriftstücke der fremden Regierungen, die Bücher der Specialisten, die Broschüren der Polemiker, die Reden der Staatsmänner, die consularen und diplomatischen Correspondenzen einer genauen Durchsicht unterzogen haben die Gewissh^it erlangt haben, dass nicht nur ein bedeutendes jüdisches Proletariat existiert, sondern dass es auch mehr als jedes andere von dem Capital und dem sweating system ausgebeutet und niedergedrückt wird. Das mag den Leuten, die von dem antisemitischen Fanatismus beseelt sind und die über ihren engen Gesichtskreis nicht herauskommen, wohl etwas widersinnig erscheinen, doch lassen wir die Thatsachen sprechen. In Rumänien. Nach der Volkszählung von 1899 gibt es in Rumänien ungefähr 269.000 Juden, die auf 97 grössere und kleinere Städte vertheilt sind. Die meisten von ihnen sind Handwerker, Schneider, Klempner, Bort^nwirker u. s. w. Sie üben auch die mühseligsten und verschiedenariigsten Berufe aus. Was ihr Elend anbetrifft, so füllten wir hier das Zeugnis des judenfeindlichen Schriftstellers Rudolf Bergner an: „Auf unserer Reise kamen wir auch durch Targuli-Frumos und Podu-Hoci, elende Löcher ohne einen einzigen Baum. Hier hausen zusammengepfercht die Juden in der Nachbarschaft von Krähen. Das Innere von J^ssy sieht aus wie die Wohnung von zahllosen Vampyren, die d .rch nichts, was wir bisher gesehen haben, an Elend und Jammer übertroffen werden können (Rumänien)." Die schlechte Ernte vom Jahre 1899 hat das Elend der rumänis hen Juden bis zum höchsten Grade gesteigert. Im Moldaubezirk, der besonders von *) Aus einem auf dem neuesten statistischen Material beruhenden Artikel von Henri Dag an in der „Revue blanche" (zweites October-Heft).