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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-12-01 · 12 (12.1901) · p. Seite 16

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
12 (12.1901)
Date
1901-12-01
Page
Seite 16 (sequence 16)
Language
German
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— IG — worden, und diese Untersuchung hat zu nichts geführt: denn die weise Untersuchungscommission hat einen braven Juden, der die Soldinische Post benützte und den nicht seltenen Namen Levin Benjamin trug, für den Jakob Wölfl gehalten. Das ist das einzige Resultat der beiden Untersuchungscommissionen. Ist dies das negative Resultat, so ergibt sich positiv: dass Juden überhaupt nicht betheiligt waren. Zu dieser Ansicht führt folgende Ueberlegung: Es sei vorangeschickt, dass das Archiv in Landsberg sich entweder keines Archivars erfreut oder eines solchen, der auf an ihn gerichtete Briefe nicht zu antworten instruiert ist. Gleichzeitige Relationen lassen erkennen, dass sich zu dieser Zeit viel polnisches Raubgesindel — keine Juden — in der Nähe von Landsberg, in Posen und Brest herumtrieb, dass die Beoölkerung, häufig heimgesucht und geplagt, endlich grausame Rache dafür nahm, wogegen natürlich eine Reaction nicht ausblieb. Ist überhaupt ein Mord geschehen, so ist es so zu erklären — aber höchstwahrscheinlich, ist alles ein Märchen. Correspondenzen. Wien. (Der antisemitische Amtsschimmel.) Int magistratischen Bezirksamt Hernais ist eine Kundmachung des Wiener Magistrats angeschlagen, derzufolge die Interessen der Lazar G o 1 dstein'schen Stiftung im Betrage von 1530 Kronen an drei hilfsbedürftige christliche Witwen vergeben werden. Bevorzugt werden Bewerberinnen, deren Ehemänner dem Rabbinatsstande angehört haben. Den Gesuchen ist der Taufschein beizulegen. Jeder gute Christ, der diese Kundmachung liest, wird zugestehen müssen, dass der Wiener Magistrat in seinem Antisemitismus doch ein wenig zu weit geht. Man kann einer Rabbinerswitwe viel zumuthen, aber dass sie eine Christin sein und einen Taufschein vorlegen solle, dass ist denn doch zu viel verlangt. Weil das jeder einsehen muss, sind auch wir geneigt, anzunehmen, dass der Magistrat auch nicht so unbillig denkt, und dass di« spassige Kundmachung weniger ein Ausdruck streng christlicher Gesinnung als ein Ausdruck altehrwürdiger österreichischer Schlamperei ist. Leitmeritz. (Das „K o 1 - Ni d r e" - G e b e t.) Dienstag den 19. November hätte vor den Geschworenen eine Ehrenbeieidigungsklage deg Rabbiners der hiesigen Cultusgemeinde Herrn Dr. Schornstein gegen den verantwortlichen Schriftleiter des „Leitmeritzer Wochenblattes" Anton Partes zur Verhandlung kommen sollen. Gegenstand derselben bildeten mehrere Artikel des „Leitmeritzer Wochenblattes* vom October 1900, durch welche Dr. Schornstein sich in seiner Ehre verletzt fühlte. Dr. Schornstein hatte damals in der „Leitmeritzer Zeitung" gegen einen das „Kol-Nidre* behandelnden Artikel des »Leitmeritzer Wochenblattes" entschieden Protest eingelegt; darauf hatte das „Leitmeritzer Wochenblatt" Herrn Dr. Schornstein in scharfer Weise angegriffen, worauf dieser klagte. Nach mehrfachen Vertagungen sollte die Klage nunmehr zur Verhandlung kommen. Knapp vor Thorschluss kam jedoch auf Betreiben des Geklagten ein aussergerichtlicher Vergleich zustande, demzufolge Partes in dem „Leitmeritzer Wochenblatte* folgende Erklärung abgab : „Ich Endesgefertigter erkläre hiermit, dass ich die in den Nummern 83, 85 und 87 des „Leitmeritzer Wochenblattes" vom 17. October 1900, vom 24. October 1900 und vom 31. October 1900 unter den Spitzraarken

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