Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 22 (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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_ 22 _ punkte aus leicht erklärlieh, da durch Abtrennung sämmtlicher Gliedmassen und Oeffnung der Venen das Blut freien Abfluss hatte und durch das Liegen im Wasser vollständig ausgelaugt worden war. D i e T o d e s u r s a c h e war Erstickung, und erst na ch dem Tode fand die Zerstückelung des Leichnams zum Zwecke der Beiseiteschaffung des Todten, auch die Abtrennung des Kopfes vom Rumpfe sfatt. Auf den Erstickungstod weist auch der Umstand hin, dass die Lungen des Ermordeten mit Blut überfüllt waren. Es hat immer unbefangene Beobachter gegeben, die aus dem Thatbestande den Schluss zogen, der Gymnasiast Winter, der notorisch ein wüstes Leben führte, sei höchstwahrscheinlich bei einem Ehebruche oder bei einer ähnlichen That überrascht und von einem weit stärkeren Manne erwürgt worden. Dann mag von dem Mörder die Leiche des Gymnasiasten zerstückelt und in den Sumpf geworden worden sein. Jetzt erst dürfte, was so lange versäumt worden ist, nach der Richtung weiter geforscht werden, die Aufklärung über die Beziehungen W inters zum weiblichen Geschlechte geben kann. Nach anderthalb Jahren ist dies allerdings schwerer, als zur Zeit der Entdeckung der Mordthat gewesen wäre. t; Die bekannte Affaire des Wilnaer Mordversuches ist in ein neues Stadium getreten und wird von neuem vor dem Kreisgerichte in W i 1 n a zur Verhandlung gelangen. Wie sich die Leser wahrscheinlich noch aus den früheren Berichten erinnern werden, wollte das christiche Dienstmädchen Anna Grudzinska, welches bei dem jüdischen Barbier Blondes im Dienste stand, in einer Nacht plötzlich aus dem Schlafe aufgeweckt worden sein und ihren Dienstherrn Blondes und noch drei bärtige Juden vor ihrem Bette gesehen haben, die ihr angeblich mit einem Rasiermesser die Kehle durchschneiden wollten. Das Wilnaer Kreisgericht verurtheilte Blondes und seine Mitangeklagten wegen Mordversuches zu je dreijähriger Kerkerstrafe. Nun hat die strafgerichtliche Section des Obersten Cassationshofes in Petersburg die Urtheile der unteren Instanzen cassiert und die Affaire zur neuerlichen Verhandlung vor einem anders zusammengesetzten Richter-Collegium des Wilnaer Kreisgerichtes bestimmt. Entführung Minderjähriger. Das Erkenntnisgericht in Neu-Sandec hat den Grundbesitzerssohn Joseph Hajduk wegen Entführung des siebzehnjährigen Judenmädchens Rachel Ring, die er nach Krakau in das Felicianerinnen- Kloster brachte, wo sie sich noch jetzt zur Vorbereitung für die Taufe aufhält, zu einemMonat s c h w e r e n, m i t F a s t e n _v e r s c h ä r ften Kerkers verurtheilt. ♦ Am 23. September d. J. wurde aus dem Elternhause in Przemysl ein junges Mädchen namens B i 11 e t von einem griechisch-katholischen Geistlichen entführt und in einem Kloster interniert, wo das jüdische