Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 20 (sequence 20)
- Language
- German
- Belongs to
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— 20 — Drohung hat gewirkt Aus dem unbeanstandet gebliebenen Satze aber: „Es sprechen deutliche Anzeichen dafür, das die Mörder der Maria Suchanek dieselben-seien, die an der Polnaer Mordthat betheiligt gewesen waren", ist klar ersichtlich, wohin die Veröffenlichungen des „Deutschen Volksblatt" hinzielen. Es wiederholt sich also hier die seit Jahren betriebene antisemitische Praxis, bei jedem Morde an einer jugendlichen Person durch Verbreitung tendenziöser, amtlich nicht controlierter Meldungen die öffentliche Meinung von vornherein für einen bestimmten Anlass zu bearbeiten, der gerichtlichen Untersuchung vorzugreifen und diese durch suggestive Beeinflussung der Bevölkerung zu erschweren. Da die journalistische Hetze vereitelt wurde, wird nun die parlamentarische Immunität zu diesem Zwecke missbraucht. Am 25. d. M. haben die antisemitischen Abgeordneten A x m a n n und Weiskirchner (letzterer ist Magistrats-Vicedirector in Wien) durcn eine Interpellation au den Justizminister den confiscierten Artikel immunisiert. Es wäre dringend zu wünschen, dass Baron Spens- B ooden auf diese Anfrage eine rasche und deutliche Antwort ertheile. * Am 23. October brachte das „Deutsche Volksblatt" unter dem Titel: „Wieder ein mysteriöser Mädchen mord" die Nachricht, dass auf dem Friedhofe des Dorfes Anis bei Salzburg in einem Pakete der Kopf, der linke Fuss und die linke Hand einer weiblichen Leiche gefunden worden seien. Wörtlich fügte das Blatt hinzu: „Die Leichentheile waren schon ziemlich eingetrocknet. Angeblich soll es sich „nur" um einen Lustmord handeln." Zwei Tage später war dann in demselben Blatte zu lesen, dass die Auffindung der Leichentheile in Anis sehr an den grauenhaften Fund der Ueberreste des unglücklichen Gymnasiasten Winter in Könitz erinnere. Zugleich wurde ein Bericht eines Münchener Antisemitenblattes abgedruckt, in dem der Vermnthung Ausdruck gegeben wurde, dass der Mord anderswo verübt worden sei, und dass die Mörder die Leichentheile in die Nähe von Salzburg gebracht hatten, um die Spuren des Mörders zu verwischen. — Infolge dieser Nachricht, die von anderen antisemitischen Blättern übernommen und noch tendenziös ausgeweitet wurde, begann man in Salzburg und Umgebung bereits von einem „Ritualmorde" zu munkeln. Aber schon drei Tage später folgte die heitere Aufklärung. Das „Deutsche Volksblatt" musste am 26. October berichten, dass die gefundenen Leichentheile, bei denen sich auch ein „unleserliches Schriftstück" befand, von einer — ägyptischen Mumie stammten, die von einem Rittmeister dem Salzburger Museum als Geschenk zugedacht war. Da jedoch der Rittmeister die Mumie an einem feuchten Orte verwahrt hatte, gerieth dieselbe in Verwesung, und der Diener wurde beauftragt, die Leiche zu vergraben. Der Mann trug jedoch Bedenken, dieselbe dem geweihten Boden zu entziehen, und legte sie in Anis auf den Friedhof, da er annahm, dass der Todtengräber sie dort finden und bestatten werde. — Gnädig fügt Herr Vergani diesem Berichte über einen an