Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 16 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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— 16 — Gultusgemeinde über die Curieneintheilung berathen wurde, sprach er sich auch entschiedenst gegen die Eint h eil ung nach dem Vermögen aus. Er ist ein offener Charakter, wir würden an ihm nach meiner festenUeberzeugung einen meritorisch-sachlichen Präsidenten bekommen, der sich um alles, was inner- und ausserhalb des Vereines vorgeht, lebhaft kümmern würde. Er würde sich auch um das R e c ht s e h u t z b u re a u, in dem ja die Hauptaufgabe der „Union" concentriert ist, intensiv bekümmern. Die Leitung des Rechtsschutzbureaus liegt zwar in den Händen des Obmannes und des Secretärs dieses Bureaus, nichtsdestoweniger ist es von ausserordentlichem Vortheile, wenn der Präsident sich jeden Tag und jede Stunde mit unseren Fragen beschäftigt, weil zwei immer mehr wissen wie einer. Und wenn man allein die Verantwortung zu tragen hat, lässt man manchmal etwas entfallen, weil man eben allein steht. Genau so wichtig ist dies auch tür unsere Finanzverhältnisse. Wenn auch der heutige Stand gerade kein ungünstiger ist, so bedarf unsere Gasse doch noch einer bedeutenden Auffrischung. Das wäre eine Sache, die der Präsident in die Hand zu nehmen hätte. Heute liegt sie in den Händen eines Finanz-Comites, das — glaube ich — noch nie zusammengetreten ist. Die Agenden des Rechtsschutzbureaus bringen es mit sich, dass ein lebhafter Verkehr mit den Behörden nothwendig ist. Sie werden begreifen, wie wichtig es ist, dass der Päsiclent diesen Verkehr selbst pflegt. Und es ist nothwendig, dass wir einen Präsidenten haben, der auch die nöthige Zeit dazu hat. Herr Paul-Schiff ist Herr seiner Zeit, Herr seiner Person und ist mit Freuden bereit, sich in den Dienst der Juden zu stellen, er wird sich glücklich fühlen, wenn er als Präsident der „Union" die Gelegenheit dazu haben wird. Herr Paul-Schiff ist noch ein verhältnismässig junger Mann. Wir werden in ihm einen stabilenPräsidenten haben,der voraussichtlich mit der „Union" verwächst und sie zu jener Höhe bringen wird, die grosse Gorporationen mit den gleichen Tendenzen in Paris, London und New-York erreicht haben. Auch die Frage, ob er die Fähigkeit dazu besitzt, muss ich ganz bestimmt bejahen. Er ist so geartet, dass er mit dem letzten der Juden fühlen kann, er empfindet die Schmerzen Anderer und versteht sie zu beurtheilen. Was seine sonstigen Fähigkeiten anbelangt, so verweise ich auf den „Galizischen Hilfsverein44. Anlässlich der von der „Oesterreichisch-Israelitischen Unionu veranstalteten Enquete über das galizische Judenelend gelangte man zur Ueberzeugung, dass hier nur durch Schaffung von Arbeit und Brot zu helfen sei. Dies wollte man den armen Leuten durch Heranziehung zur Hausindustrie verschaffen. Auf diesen Grundsatz ist der „Galizische Hilfsverein" aufgebaut. Und was hat dieser nicht alles gemacht! Nicht länger als acht Wochen sind wir erst an der Arbeit, und in dieser kurzen Zeit ist es uns gelungen, einen Unternehmer zu finden, der seine Industrie auf