Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Journal
- Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
- Volume
- 13 (1901)
- Issue
- 11 (11.1901)
- Date
- 1901-11-01
- Page
- Seite 15 (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 99% known words query
- IRI
…/9756662-9602173-9602374--0218-9602389- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
— 15 — dauern zur Kenntnis nehmen. Der Mann, der in schwierigen Zeiten an die Spitze der „Oesterreichischen-Israelitischen Union" getreten ist, hat für dieselbe Hervorragendes geleistet. Unter seinem Präsidium haben wir in der Provinz Fuss gefasst, was umso wichtiger ist, als unsere Glaubensgenossen in der Provinz noch mehr bedrückt sind, trotz des lärmenden Antisemitismus, der in Wien herrscht. Die „Union" fühlt sich verpflichtet, für die Interessen der Juden allerorten einzutreten und der Solidarität sämmtlicher Juden in der Verteidigung ihrer Rechte Ausdruck zu geben. (Beifall.) Diese Erfolge danken wir wohl in erster Linie der umsichtigen Agitation des Herrn kais. Rath Ruzicka und den von ihm getroffenen Massregeln. Wir werden ihm stets dankbar bleiben, und Ihr Erheben von den Sitzen, sowie der von Ihnen gespendete Beifall zeigen deutlich, wie sehr die Verdienste dieses Mannes Anerkennung verdienen. (Lebhafter, anhaltender Beifall.) Der Vorstand sah sich nun genöthigt, nach einer geeigneten Persönlichkeit Ausschau zu halten, um für diesen schwer ersetzbaren Mann halbwegs Ersatz zu finden. Und wir haben einen solchen Mann gefunden. Es ist dies ein Mann, welcher sich bei vielen jüdischen Humanitäts - Werken in hervorragender Weise bethätigte und dessen Wahl Ihnen Vorstand und Beirath der „Oesterreich-Israelitischen Union" einmüthig und wärmstens empfehlen. Es ist dies der Industrielle Herr Maximilian Paul-Schiff. Derselbe kann leider der heutigen Versammlung nicht beiwohnen und hat sich deshalb brieflich entschuldigt, weil er in einer eminent jüdischen Angelegenheit nach Frankfurt a. M. verreisen musste. Ich ertheile nunmehr dem Herrn Vice-Präsidenfen Mayer das Wort zur Begründung des Wahlvorschlages/ Vicepräsident Herr Sigmund Mayer: „Meine Herren! Nicht ohne Grund ist gerade mir der Auftrag geworden, diese vom Vorstande und Beirath einstimmig angerathene Candidatur zu begründen, denn ich habe Gelegenheit gehabt, Herrn Paul-Schiff in der letzten Zeit genau kennen zu lernen. Er ist Präsident des „Galizischen Hilfsvereines", und da habe ich ihn an der Arbeit gesehen. Ich bin Vorsitzender des Industrie-Gomites, und er hätte als Präsident es nicht nothwendig, sich mit den Arbeiten dieses Gomites zu befassen. Nichtsdestoweniger muss ich mit Befriedigung constatieren, dass er nicht nur bei jeder Sitzung anwesend war, sondern sich auch an der Durchführung unserer Arbeiten intensiv betheiligte. Darüber werde ich vielleicht noch später zu sprechen Gelegenheit haben. Vorderhand handelt es sich in erster Linie nur darum, zu begründen, warum Herr Paul-Schiff für die „Union" ein geeigneter Präsident wäre. Obwohl er seiner Provenienz und seinen Verbindungen nach der obersten Schichte der jüdischen Gesellschaft angehört, ist er doch seiner innersten Gesinnung nach ein Mann des jüdischen Mittelstandes. Als in der