Mannheim
Compact Memory

Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-11-01 · 11 (11.1901) · p. Seite 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
11 (11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
97% known words query
IRI
…/9756662-9602173-9602374--0210-9602381
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

nicht angenommen hätte. Ich habe derselben Folge geleistet, weil ich in der „Union" nicht nur keinen gewöhnlichen Verein, sondern die erste und zur alleinigen Vertretung der politischen Rechte der Juden in Oesterreich berufene Corporation erblicke. Ich wüsste nicht, welche Corporation sonst durch ihre Leistungen die Berechtigung hätte, darauf Anspruch zu machen. Ich bin der Ansicht, dass die „Union' durch ihre bisherigen Leistungen diese Berechtigung vollauf erwirkt hat, und wenn diese Auffassung sich noch nicht uberall Platz gemacht haben sollte, so will ich, wenn Sie, meine sehr geehrten Herren, mich kräftigst unterstützen, dafür sorgen, (Dass dies jedenfalls in nicht zu ferner Zeit der Fall sein soll. (Lebhafter Beifall.) Ich glaube, meine Herren, dass ich mich einer Unterlassung schuldig machen würde, wenn ich meine Ausführungen schliesse, ohne jene bedeutende Bewegung innerhalb des Judenthums zu erwähnen, die, durch den Antisemitismus gezeitigt, seit einigen Jahren mit unleugbarem und berechtigtem Erfolge sich geltend gemacht hat. Ich meine die zionistische Bewegung. Ich masse mir nicht an, über die Berechtigung und Bedeutung derselben in Gegenwart und Zukunft oder über die Form der zionistischen Agitation ein Urtheil abzugeben, umsomehr als ich selbst dieser Richtung nicht angehöre. Ich begreife sehr wohl, dass eine Agitation, die auf die grossen Massen wirken soll, sich der zarten Mittel nicht bedienen kann, dass, wer violett haben will, roth schreien muss, und dass es zur logischen Folgerung consequenter Agitation wird, wenn man sagt: wer nicht mit mir ist, ist gegen mich! Ebenso begreife ich vollkommen, dass Anhänger jener Bewegung in jedem einer anderen Bestrebung zugewendeten Geldbetrage einen Entgang für die eigene Sache erblicken. Sofern in der zionistischen Bewegung gleichzeitig die Rallierung erfolgt, um vor allem eine besser organisierte AI)wehr gegen die Angriffe auf das Judenthum vorzubereiten, hat sie gewiss unser volles Einverständnis und in dieser Beziehung brauchen wir uns weder an den Agitationsmitteln noch am angegebenen Ziele zu stossen, und können letzteres für den Zionismus, wie wir ihn auffassen, für ebenso gleichgiltig halten, wie es Afrika für Freiland war. Ich glaube, dass eine Bewegung, die nicht nur den Juden, sondern auch den Menschen in gleichem Masse zur Geltung bringt und welche den Juden veranlasst, vorerst als Jude sein Menschenthum zu erringen, wahrlich edel genug ist und für sich selbst spricht, und ich sehe nirgends einen Punkt, wo unsere Rechtsschutzbestrebungen in Conflict mit den Principien und Zielen der Zionisten kommen. Wenn die Socialisten den Fabriksarbeiter, der sein vom Fabriksherrn geschenktes Häuschen lieb gewinnt, für die Organisation für verloren geben und daher auch erklärlicherweise den bürgerlichen Philanthropen bekämpfen, so trifft des par analogiam auf das Verhältnis zwischen zionistischer Organisation und unserer Corporation nicht zu. Der Zionismus braucht ja nicht päpstlicher wie der Papst, das heisst socialistischer wie der sociaiistische Zukunftsstaat zu sein und eine Verelendung der Massen geradezu anzustreben, um die ferneren Ziele plausibler zu machen. Sagt doch selbst der Dogmatiker Bebel am Lübecker Parteitag, dass

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.