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Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union · 1901-11-01 · 11 (11.1901) · p. Seite 3

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Journal
Monatschrift der Oesterreichisch-Israelitischen Union
Volume
13 (1901)
Issue
11 (11.1901)
Date
1901-11-01
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 — oft nicht für opportun halte, wo dies thatsächlich häuf ig; der Fall ist, denn heute ist die Reaction für die gesammte CultUrwelt so gefahrdrohend, dass wir als verschwindende Minorität jene den Kampf gegen die Sonnenverfinsterer und Dunkelmänner allein ausfechten lassen sollten, und es ist besser, wenn wir als passive Zuschauer verharren und uns lediglich für unser Interesse einsetzen. Wir brauchen ja nicht erst nachzuweisen, dass wir, so lange es eine Geschichte gibt, in dein Kampf um Freiheit, Gesittung und Cultur für die gesammte 'Welt in erster Reihe marschierten. Heute haben wir das volle Recht und die heilige Pflicht, in erster Linie an uns zu denken, umsomchr, als wir selbst bei gemässigten Parteien constatieren können, wie wenig sie in dieser für uns vitalen Frage Farbe bekennen und die zahlreiche 'Gefolgschaft unserer Glaubensgenossen, ja oft einzelner Personen, oft sogar als störend für die grosse Sache des Fortschrittes empfinden. Sie sehen ja, wie selbst ein alt-liberaler Politiker, wie z. B. -der Abg. Witsche, die antisemitische Frage so grundfalsch beurtheilt und von einem Judeiir thum spricht, das, sofern es in einer internationalen Form erfolgt, bekämpft werden muss. Wenn von einem'internationalen Judenthum gesprochen wird, dann kann — und auch da« nur im gewissen Sinne — der Zionismus gemeint sein. Sonst kenne ich kein internationales Judenthum, das sich, wie der erwähnte Abgeordnete behauptet, von jeder Nationalität loslöst. Erklärlich und Tein menschlich wäre Übrigens angesichts des internationalen Antisemitismus, den auch der Abgeordnete Nitsehe nicht ableugnen wird, auch ein internationales Judenthum. Denn es wird einem wahrlich schwer gemacht, sich noch immer freudig zu einer Nationalität zu bekennen, wenn selbst die gemässigten Parteien aller Länder die Juden nicht ganz ohne Vorbehalt zur Nation rechnen. Wenn eine Rasse u. eine Oonfession durch mehr als zwei Jahrtausende verfolgt wird und eine gemeinsame Leidensgeschichte hat, dann ist ein enges Zusammengehörigkeitsgefühl leider und gewiss vollauf berechtigt, ein solches Gefühl bewirkt aber unter uns nichts anderes, als etwa protestantische oder katholische Zusammengehörigkeitsbestrebungen, obwohl letzteren gewiss nicht dieselben Leiden als Berechtigung dienen können. Andere Politiker, wie es neulich der Abgeordnete Erl er that, der es schon für noth wendig hält, der radiealen Hefe in der Wählerschaft die Reverenz zu machen, sprechen von einem übermässigen Einfluss des Judenthums, der bekämpft werden muss, umsomehr, als durch die culturschändendsten Motive, die von'den Ultras gefordrte Rassenächtung plausibel gemacht werden muss. Wo um Gotteswillen ist der übermässige Einfluss des Judenthums? Gibt es Unter hunderten von staatsanwaltlichen Functionären einen Juden? Gibt es einen Bezirkshauptmann, einen Bezirkscommissär? Mir ist auch kein solcher bei einer Statthaltern im Conceptsfaeh bekannt. Gibt es einen einzigen Hofbeamten bis zum letzten Stiegenputzer, der sich zum Judenthum bekennt? Wie viele Juristen absolvieren alljährlich unter den Juden und auf wie wenige greift der Staat — wenn überhaupt — zurück. Besonders in Tirol, im Heimatland des Abgeordneten Erler, stelle ich mir das Ueberwuchern des Judenthums schrecklich vor, an Galizien dürfte er wohl nicht gedacht haben.

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